Karneval 2018 in Neuss: Altweiber hat Novesia die Macht übernommen

Rathaussturm in Neuss: Novesia hat die Macht übernommen

In Neuss hat Novesia stellvertretend für die jecken Frauen die Macht in der Stadt übernommen. Beim Rathaussturm zeigt sich: Nicht nur an Weiberfastnacht hat Heike II. die Hosen an.

Es ist nicht sein Tag, und das genau das macht diesen Tag für ihn zu einem guten. Prinz Dieter IV. trotten an diesem Donnerstagmorgen die lange, geschwungene Treppe im Rathaus hoch. Vor ihm läuft entschlossenen Schrittes eine Frau in wallendem rot-weißen Kleid.

Und man merkt schnell: Sie hat hier die Hosen an. Novesia Heike II. trägt die Peitsche in der Hand und die Winterjacke über dem Kleid. Sie ist gekommen, um den Bürgermeister aus seinem Büro zu jagen und die Macht in der Stadt stellvertretend für die jecken Frauen zu übernehmen. Wie man das halt so macht an Weiberfastnacht in Neuss. Nur macht es Novesia eben etwas anders.

Mach mit, oder ich such mir einen anderen Prinzen

Einmarsch ins Büro des Bürgermeisters: Es dauert nur wenige Sekunden, da ist Reiner Breuer von der Novesiagarde und ihrer Anführerin umringt. "Ach, da ist ja auch der Prinz", sagt der Bürgermeister zu Dieter IV., als er ihn in den hinteren Reihen entdeckt. "Aber du hast heute nichts zu sagen", ruft der Bürgermeister zu ihm rüber.

Novesia nickt, Breuer versucht noch kurz zu entkommen, doch ihre Garde hat längst die rot-weiße Absperrkette um den Bürgermeister geschlungen. Die Hilfe vom Prinzen braucht diese Novesia nicht. "Eigentlich hätte er das ja auch machen müssen", sagt sie später mit einem Kopfnicken in Richtung Dieter, "dieses Jahr bin ja eigentlich ich der Prinz."

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Schon in den letzten Wochen hat man gemerkt: Dieses Prinzenpaar ist anders. Heike II. wollte so gerne einmal Novesia werden, so erzählt sie es immer wieder, dass sie ihren Dieter vor die Wahl stellte: Entweder du machst mit oder ich suche mir einen anderen Prinzen. Und deshalb macht Dieter mit.

Buhrufe der Männer gehen im tosenden Applaus der Frauen unter

"Ich habe heute keine Aufgaben, ich muss nur meine Frau begleiten", sagt er vor dem Rathaus um 11 Uhr und ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Dann marschieren die Garden, das Prinzenpaar und der gefesselte Bürgermeister zur Bühne auf dem Markt. Und dann wird es ernst, der Kampf um den Rathausschlüssel steht an. "Novesia, holst du dir den Schlüssel mit ein paar Bützchen oder auf andere Art?", fragt der Moderator noch, da klatschen schon zwei ordentliche Peitschenhiebe auf Bürgermeister Breuer ein. Der hält abwehrend die Hände hoch, duckt sich und rückt sofort den goldenen Schlüssel raus. Die Frauen auf dem Markt jubeln.

"Es war schön gefesselt zu werden, aber die Schläge waren mir zu hart", sagt Breuer leicht erschrocken. "Mädels, Altweiber gehört uns!", ruft Novesia und hält triumphierend den Rathausschlüssel hoch. "Die Männer sind heute an zweiter Stelle – und da gehören sie hin!", sagt sie. Die wenigen Buhrufe der Männer gehen im tosenden Applaus der Frauen unter.

Am Ende drückt der Moderator doch noch Prinz Dieter das Mikrofon in die Hand. Richtig viel bringt er nicht raus. Nur das: "Heute haben die Frauen das Sagen, ich bin nur Nebensache." Es ist ein Satz, der in dieser Session nicht nur an Weiberfastnacht gilt.

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(mre)