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Neuss: Kaplan auf Spuren des eingegrabenen Kreuzwegs

Neuss : Kaplan auf Spuren des eingegrabenen Kreuzwegs

Tobias Hopmann ist Kaplan im Seelsorgebereich "Neusser Süden" – und im Moment auch ein bisschen Detektiv. Sein "Fall": der verschwundene Rosellener Kreuzweg. Um dessen Verbleib zu klären, ist der Kaplan aber auf Hilfe angewiesen.

Tobias Hopmann ist Kaplan im Seelsorgebereich "Neusser Süden" — und im Moment auch ein bisschen Detektiv. Sein "Fall": der verschwundene Rosellener Kreuzweg. Um dessen Verbleib zu klären, ist der Kaplan aber auf Hilfe angewiesen.

Denn er ist erst zwei Jahre als Kaplan im Verbund der so genannten Apostelgemeinden, doch die Spur der Kreuzwegstationen verläuft sich in den 1960er Jahren. Zuletzt sollen die Tafeln im Pfarrgarten von St. Peter gesehen worden sein.

Es war ein Zufallsfund, der das Interesse des Kaplans am Schicksal der Kreuzwegstationen weckte. Als er zu einer Familie eingeladen wurde, die um einen Segen für ihr neues Auto bat, entdeckte er an deren Hauswand eine Tafel mit der Darstellung des Gekreuzigten. Es war die zwölfte Kreuzwegstation mit dem Motiv "Jesus stirbt am Kreuz". Wie diese Bildhauerarbeit unter das Terrassendach gekommen war, das wollte Hopmann denn doch gerne wissen.

Die Antwort war so überraschend wie interessant. Die Tafel war eine der Kreuzwegstationen, die bis in die 1960er Jahre im Inneren der St. Peter-Kirche verehrt worden waren. Als sie dort entfernt wurden, seien sie im Pfarrgarten verbuddelt worden, erfuhr der Kaplan. Nur eine tauchte 1981 wieder auf, als ein Rohrbruch repariert werden musste. Sie wurde auf Bitten vom damaligen Pfarrer an eine Familie in Rosellen verschenkt, in deren Haus er auch gut aufgehoben sei, wie Hopmann versichert. Dort soll sie auch bleiben. "Ich fand es aber schade, dass Kreuzwegstationen, an denen unzählige Menschen gebetet haben, im Dreck vergraben liegen, und würde sie gerne wieder ausgraben lassen", sagt er. Wenn er nur wüsste, wo man suchen muss!

Im Pfarrbrief der Gemeinde rief er deshalb ältere Gemeindemitglieder, die vielleicht Augenzeuge beim Eingraben waren, dazu auf, die Grabungsstelle etwas genauer anzuzeigen. Resonanz? "Es haben sich schon viele gemeldet, die beim Graben helfen würden", sagt Hopmann. Andere hätten sich bereiterklärt, diese Arbeiter mit Speis und Trank zu versorgen. Einen Hinweis auf einen Fundort konnte keiner beisteuern. Bislang.

Wenn die Tafeln geboren werden können und nicht allzu beschädigt sind, möchte sie der Kaplan reinigen und aufarbeiten lassen, damit sie so der Gemeinde wieder zugänglich gemacht werden können. Langsam aber hat Hopmann Zweifel an einem guten Ausgang: "Hoffentlich liegen sie nicht da, wo später die Sakristei angebaut wurde."

(NGZ)