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Neuss: Kapelle mit Macks Handschrift

Neuss : Kapelle mit Macks Handschrift

Auf seinem Grundstück bei der Lauvenburg hat J. Heinrich Thywissen eine kleine, von Professor Heinz Mack beeinflusste Wegekapelle errichten lassen. Sie liegt auf der Route des Jakobweges.

Wenn die Sonne scheint, fallen die Strahlen golden durch die kreuzförmige Aussparung in der Rückwand der weißgetünchten kleinen Wegekapelle. Unwillkürlich hält der Fahrradausflügler auf der unterhalb vorbeiführenden Fahrstraße inne, hebt den Kopf und lässt den Anblick auf sich wirken, der in seiner Reduziertheit womöglich mehr berührt als eine prächtige Ausschmückung. "Gerade an Wochenenden kommen viele Radler vorbei, die sich nach der Kapelle erkundigen", erzählt J. Heinrich Thywissen, der das kleine Bauwerk am Ende seines Grundstückes errichten ließ.

Mit dem Gedanken daran hatte sich der Neusser Rechtsanwalt im Ruhestand schon länger beschäftigt. "Immerhin liegt unser Haus am Streckenabschnitt des Pilgerweges nach Santiago de Compostela, der von Krefeld nach Köln führt", sagt 67-Jährige und verweist auf den kleinen blauen Aufkleber mit der stilisierten Jakobsmuschel. Das Vorhaben bekam etwa vor einem Jahr neuen Schwung. Damals ließen seine Nachbarn auf Neusser Stadtgebiet, die Familien Krimmer, auf Anregung und mit Unterstützung des Initiativkreises Nordstadt das alte Hofkreuz restaurieren und gut sichtbar am Wegesrand aufstellen. "Das war für mich Anstoß, meinen Plan endlich in die Tat umzusetzen", erzählt J. Heinrich Thywissen.

Keine sechs Wochen benötigten Mitarbeiter des Garten- und Landschaftsbauers Jörg Krimmer nun für den Bau des Kapellchens, fassten die Treppenstufen die Böschung hinauf mit Natursteinen ein. Bis es soweit war, vergingen Jahre: Immer wieder hatte der Bauherr auf Reisen nach Vorbildern Ausschau gehalten. Fündig wurde er schließlich in Kaarst-Vorst: "Ein Bilderstöckchen, schlicht gehalten, das auch von den Proportionen in unsere Gegend passt," fand Thywissen, der Professor Heinz Mack in seine Überlegungen einbezog.

Den renommierten Künstler, der die Kapelle des Marianums an der Preußenstraße ausgestaltete, hatte Thywissen als Rotary-Präsident 2002 bei einem Vortrag kennengelernt und ist ihm seither freundschaftlich verbunden. Mack war es schließlich, der während monatelanger Beratungen die Idee vom lichtdurchfluteten Kreuz einbrachte, ähnlich dem in der Marianum-Kapelle. Sein Angebot, ein Kruzifix aus seinem Bestand zur Verfügung zu stellen, lehnte Thywissen jedoch nach reiflicher Überlegung ab.

"Eine solche Kostbarkeit hätten wir vor Diebstahl oder Zerstörung sichern müssen", erklärt der Eigentümer, "der ursprüngliche Gedanke aber war ja, dass die Wegekapelle öffentlich zugänglich sein soll und nicht ein Gitter die Spaziergänger abhält." Stattdessen ist es ein Kreuz aus Licht, aus Sonnenlicht. "Der Gedanke, der dahinter steht, ist: Das Kreuz ist Licht, und durch das Kreuz kommt das Licht", erklärt J. Heinrich Thywissen.

Das Y-förmige Gabelkreuz ist darüber hinaus insbesondere im Rheinland häufig anzutreffen. Inzwischen sprechen Bekannte und Nachbarn gelegentlich von der Wegekapelle scherzhaft als der "kleinen Mack-Kapelle". "Natürlich stammt der Entwurf nicht von Professor Mack", wehrt Thywissen schmunzelnd ab, "dennoch trägt unsere Kapelle seine Handschrift."

(NGZ/rl)