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Neuss: Kanzlerin hat eine Stunde Zeit für Neuss

Neuss : Kanzlerin hat eine Stunde Zeit für Neuss

Frankfurt, Koblenz, Neuss: Tag zehn vor der Bundestagswahl ist für die Bundeskanzlerin ein langer Arbeitstag. Und der Terminkalender ist eng. Ein "Bad in der Menge" sieht die Regie für die Kundgebung auf dem Münsterplatz nicht vor.

Weil Angela Merkel gerne Kartoffelsuppe isst, hält Vogthaus-Wirt Michael Mylord am kommenden Donnerstag "mal ein Tässchen bereit." Denn die Bundeskanzlerin könnte Hunger mitbringen, wenn sie um 19 Uhr zu einer Wahlkampfrede vor seiner Haustür eintrifft. Schließlich liegt dann schon ein langer Arbeitstag hinter der Kanzlerin, die auch nach der einstündigen Kundgebung auf dem Münsterplatz noch keinen Feierabend hat.

Das Bundeskanzleramt bestätigt für den Tag zehn vor der Bundestagswahl drei wichtige Veranstaltungen in Merkels Terminkalender: Um zehn Uhr eröffnet sie die Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt, um 17 Uhr, wenn in Neuss schon die ersten Besucher auf den Münsterplatz gelassen werden, spricht sie am Deutschen Eck in Koblenz — und um 19 Uhr in Neuss. Die Lagebesprechung am Morgen, Telefonate oder weitere Dienstbesprechungen werden nicht nach außen kommuniziert. Allerdings ist nicht ausgeschlossen, so ist aus Merkels Berliner Umfeld zu hören, dass sie zwischen dem IAA-Termin und der Rede in Koblenz noch einmal nach Berlin muss.

Elektromobilität ist das Top-Thema der 65. IAA, die Merkel morgens um 10 Uhr im Congresscenter Messe Frankfurt (CMF) eröffnet — mit anschließendem Messerundgang bis 14 Uhr. Doch auf "E-Mobility" kann sich die Bundeskanzlerin und CDU-Bundesvorsitzende bei ihrem Terminkalender nicht verlassen. Mit dem Flieger geht es morgens nach Frankfurt, für die Strecke Koblenz-Neuss wird sie einen von der Partei gecharterten Hubschrauber nutzen. Und nach der Rede in Neuss geht es von Düsseldorf aus in einem kleinen Jet nach Berlin. Mit an Bord: Hermann Gröhe, der CDU-Generalsekretär aus Neuss. "Gegen 21.30 Uhr werden wir in Berlin ankommen, aber danach geht es noch oft ins Büro", sagt Gröhe. Und nicht nur sein Arbeitstag ist dann schon fast 14 Stunden alt.

In Frankfurt erwartet Matthias Wissmann, einst mit Merkel Minister im Kabinett von Helmut Kohl und heute Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, die Bundeskanzlerin, in Koblenz die "Bürgerinitiative Rheintal". Sie will bei Merkels drittem Besuch in Koblenz gegen Bahnlärm demonstrieren. Von solchen Kundgebungen ist Hans-Georg Pelzer in Neuss nichts bekannt. Der CDU-Kreisgeschäftsführer, der erst seit Dienstag die Genehmigung der Kundgebung in Händen hält, rechnet aber mit Störern. "Trillerpfeifen — das muss man aushalten", sagt er.

Natürlich wurden für den Auftritt Sicherheitsvorkehrungen getroffen, doch Auflagen werden den Anrainern nicht gemacht. Vogthaus-Wirt Mylord zumindest verlässt sich auf die Aussage der CDU, dass seine Gastronomie nicht eingeschränkt wird. Schließlich hat er die Fenster mit Münsterplatz-Blick im Obergeschoss schon an die Mittelstandsvereinigung vermietet. Und vielleicht kommt die Kanzlerin ja doch auf einen Teller Suppe in sein Lokal? Realistisch ist das nicht — angesichts des Terminplans. Der lässt nicht einmal ein "Bad in der Menge" zu.

(NGZ)