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Neuss: "Kanten"-Tour durchs Stadionviertel

Neuss : "Kanten"-Tour durchs Stadionviertel

Stadtführer Helmut Wessels "Stammquartier" ist eigentlich die Innenstadt, wo er in mittelalterlicher Montur durch die Straßen führt. Doch seine Heimat ist das Stadionviertel – durch den Stadtteil führt er bei der "Neusser Kanten"-Tour.

Schmucke Einfamilienhäuser und Sportstätten, Kirchen und ehemalige Klöster, Krankenhaus und Friedhöfe: In der Reihe "Neusser Kanten" führt Helmut Wessels am Samstag durch einen fotogenen Stadtteil zwischen Bahndamm und Autobahn.

Stadionviertel, Lukasviertel – unabhängig davon, welcher Name bevorzugt wird, ist das Gebiet zwischen Bahndamm und Autobahn eines der jüngsten Innenstadtquartiere – und zugleich das größte: 1924 wurde das 3,34 Quadratkilometer große Areal der Stadtmitte zugeschlagen, nachdem das Feuchtgebiet trocken gelegt worden war. Heute leben dort etwa 9800 Menschen. Stadtführer Helmut Wessels zeigt diese "Neusser Kante", in der er sich seit Jahren zu Hause fühlt, am Samstag in einem zweistündigen Spaziergang. Für die Teilnehmer und ihre Fotokameras bietet die Tour zahlreiche lohnende Motive.

Stadtgeschichte ist die Leidenschaft des 50-jährigen Devotionalienhändlers. Und so wird er seinen Zuhörern eine Menge spannender historischer Fakten vermitteln, etwa über verschiedene Straßennamen wie "In der Huppertslaach" oder "Clara-Fey-Straße". Natürlich wird das 1924 fertiggestellte Jahn-Stadion, in dem vor dem Zweiten Weltkrieg internationale Radrennen ausgetragen wurden, ebenso thematisiert wie das Lukaskrankenhaus.

An das Erzbischöfliche Collegium Marianum an der Preußenstraße, das 1908 unter dem Namen Notburga-Haus ursprünglich als Heim für schwer erziehbare Mädchen errichtet wurde, hat Wessels ganz persönliche Erinnerungen. Dort war er von 1982 bis 1985 Schüler und besitzt aus dieser Zeit einen reichen Anekdotenschatz. "Natürlich hat sich das Gelände völlig verändert, nachdem das Collegium Marianum 2006 nach Bonn verlegt wurde", sagt er. "Aber ich zeige gern, wo wir neuen Schüler damals 'getauft' wurden." Nicht nur dabei greift er auf alte Aufnahmen, historisches Kartenmaterial und Darstellungen zurück, um einen Eindruck davon zu vermitteln, wie es früher war. Die Kirche St. Pius, 1966 nach Plänen des Architekten Joachim Schürmann errichtet, und das 1910 erbaute Kamillianer-Kloster, das vor rund 20 Jahren in Eigentumswohnungen umgewandelt wurde, die wechselvolle Geschichte des Anna-Heims und der Bau des Nordkanals vor rund 200 Jahren – Helmut Wessels spannt einen weiten Bogen. So wirft er mit den Teilnehmern von der Fußgängerbrücke über den Konrad-Adenauer-Ring einen Blick auf diese wichtige Verkehrsader, die einst die beschauliche Büttger Landstraße war – sicher eine ungewohnte Perspektive für die Fotografen. Auch ein kurzer Abstecher zum 1887 angelegten jüdischen Friedhof ist vorgesehen. Die Tour klingt mit einem kleinen Umtrunk in einer echten Traditionsgaststätte des Viertels aus: beim "Hermkes Bur".

Noch bis Ende Oktober laden Neuss Marketing und NGZ im Rahmen der Reihe "Neusser Kanten" alle zwei Wochen zu Aktiv-Touren ein. Dabei sind die Teilnehmer aufgerufen, nicht nur passive Zuhörer zu sein, sondern sich ihre Heimatstadt mit der Fotokamera zu erschließen. Die schönsten Schnappschüsse werden auf der Homepage von Neuss Marketing veröffentlicht und nehmen an einem Foto-Wettbewerb teil, bei dem hochwertige Digitalkameras zu gewinnen sind.

(NGZ)