Neuss: Kampf ums Geschäft mit Neusser Abi-Partys

Neuss : Kampf ums Geschäft mit Neusser Abi-Partys

Zum ersten Mal steigen am Freitag zwei konkurrierende Pre-Abi-Partys. Die Trennung der Oberstufenschüler in "Stadt" und "Land" ist Folge eines monatelangen Verdrängungswettkampfes.

Zwei Orte, zwei Veranstalter, zwei Partys — und jede wirbt mit dem Anspruch, "die offizielle Pre-Abi-Party aller Neusser Oberstufen" zu sein. Was nach einem vielleicht sogar albernen Hahnenkampf klingt, verbirgt in Wahrheit einen knallharten Wettbewerb, bei dem auch mit Drohungen und Einschüchterung gearbeitet wurde. Der Partyspaß — ein großes Geschäft.

Am Ende des monatelangen Ringens sind von mehreren Interessenten zwei Parteien übrig geblieben, die — in bester Goldgräber-Manier — ihre Claims abgesteckt haben. Wenn heute, am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien, zur Pre-Abi-Party eingeladen wird, trennen sich zum ersten Mal Stadt und "Land": Die Oberstufen aller Gymnasien und Gesamtschulen im Stadtgebiet feiern in der Wetthalle, während sich ihre Altersgenossen aus Grevenbroich, Dormagen, Kaarst und Korschenbroich im "Revolution Nachtpalast" an der Xantener Straße treffen.

Die Party dort organisieren Amar Kakkar und sein Geschäftspartner Lars Niestroj, die im Vorjahr noch Gastgeber einer kreisweiten Abi-Party in der Eventhalle im Neusser Hafen waren. Dem Abend heute können sie nicht freudig-gelassen entgegensehen: "Uns liegen Hinweise vor, dass unsere Party sabotiert werden könnte", sagt Kakkar.

Nachdem es im Vorjahr Kritik an den Abi-Partys gab (zu viele Karten verkauft, zu wenig Toiletten, lange Wartezeiten, unfreundliche Security), interessierten sich auch andere Veranstalter für dieses Geschäftsfeld. Ein bekannter Disc-Jockey aus Wevelinghoven zeigte Interesse, zog sich aber rasch zurück. Er sei von der Konkurrenz bedroht worden, erklärte er gegenüber der NGZ. Auch Kakkar spricht von Drohungen: "Wir haben die Stufensprecher über die Schulen und vor allem über Internetforen angeschrieben und eingeladen", sagt Kakkar Doch die seien auf dem Weg zum Treffen regelrecht abgefangen worden.

Veranlasser soll ein Wirt aus der Nordstadt gewesen sein, der selbst auch einsteigen wollte, nachdem er, wie er betont, von mehreren Stufensprechern dazu aufgefordert worden sei. Mit drei Vorstrafen — erst vor kurzem wurde er zu einer Geldstrafe wegen Kokain-Erwerb in acht Fällen verurteilt — signalisierte ihm aber das Ordnungsamt, als Veranstalter nicht akzeptiert zu werden. Daraufhin habe er sich komplett zurückgezogen, sagt er auf Anfrage.

Trotzdem taucht sein Name noch Mitte November in Mails auf — was der Konkurrenz Grund zur Annahme gibt, der 28-Jährige sei noch immer involviert. Deshalb bemüht sich Christopher Diel, der heute mit Marian Panzer Gastgeber der Wetthallen-Stufenparty ist, um klare Grenzziehungen: Der Nordstadtwirt sei nur bis März als Partner im Rennen gewesen, jetzt mache er die Party über seine Agentur "Magic Nights" alleine. Was Stufensprecher wie Corinna Ratzki bestätigen. Sie habe nur einen Vertrag mit Diel, der das unternehmerische Risiko trägt, den Schülern aber einen Teil des Geldes aus dem Kartenverkauf überlässt — für künftige Feiern.

Das Rangeln um die Partys macht auch andere nervös. Werner Galka und Markus Titschnegg von der Wunderbar betonten noch gestern in einer Mail, nur Vermieter der Wetthalle zu sein. Sie wollen wegen dieser Partys keinen Ärger haben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Neuss: Das war die Abi-Parade 2013

(NGZ)
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