Neuss: Kampf der Wegwerfmentalität

Neuss : Kampf der Wegwerfmentalität

Lebensmittel gehören nicht auf den Müll. Davon ist der Verein "Lebensmittel-fair-teilen" überzeugt, der gestern gegründet wurde. Kritik äußert das Forum Lebensstile der Neuss Agenda, das die Überparteilichkeit bezweifelt.

50 Prozent der erzeugten Lebensmittel landen im Müll. Ein Missstand, dem nicht zuletzt die Bundesregierung den Kampf angesagt hat. Ihre Appelle gehen dem Verein "Lebensmittel-fair-teilen", der sich gestern im Wahlkreisbüro von Bündnis 90/Die Grünen gegründet hat, nicht weit genug. Er will Taten folgen lassen und sich der Frage stellen: "Wie können wir Lebensmittel vor der Vernichtung bewahren?" Mit einem öffentlichen Schaukochen auf dem Neusser Markt am Samstag, 24. März, soll darauf eine Antwort gesucht werden. Im Topf: "Gute aber unverkäufliche Lebensmittel," wie der Neusser Abgeordnete Hans-Christian Markert, MdL, sagt, einer der beiden Gründungsvorsitzenden.

Das Forum Lebensstile der Neuss Agenda um seine Vorsitzende Eleonore Hillebrand kritisiert die Gründung. Sie fühlt sich um ein Thema geprellt. "Wir haben denen gesagt, dass wir das auf der Pfanne haben", führt Hillebrand Klage, die das Problem der Lebensmittelvernichtung thematisieren und mit Bürgeraktionen aufbereiten will. Die Mitarbeit bei der Neuss Agenda sei kostenlos, das Forum selbst überparteilich, führt sie als Argumente an. Der Verein "Lebensmittel-fair-teilen" wolle kreisweit agieren, hält Markert dagegen.

Warum der Kampf gegen den Verderb von Lebensmitteln mit einer Vereinsgründung beginnt, erklärt Markert mit der Notwendigkeit, der Initiative eine Struktur zu geben. Zudem will er den Verein vom Büro der Grünen, wo die Gründung vorbereitet wurde, im Sinne einer Überparteilichkeit abkoppeln.

Unter den Gründungsmitgliedern ist mit Heinrich Hannen auch ein Biobauer. Der Kaarster kritisiert, dass Lebensmittel in Deutschland wenig wertgeschätzt werden. "Ich will den Menschen ins Bewusstsein bringen, dass Möhren mit Bissstellen durchaus noch zu verwenden sind", sagt er. Leider aber ist derartiges Gemüse nicht zu verkaufen, werden Möhren mit mehr als 20 Zentimetern Größe von keinem Händler mehr abgenommen. Einen Teil dieses Gemüses nehmen Einrichtungen wie die Neusser Tafel ab, die aber, so Hannen, nicht so gerne frische Produkte nehmen, die erst noch weiterverarbeitet und zubereitet werden müssen. Der Rest landet bei ihm auf dem Kompost – bergeweise.

Dass sich ein einzelner Verein beim Kampf gegen die Wegwerfkultur verzetteln kann, weiß Markert, der etwa die Aufklärung über die Bedeutung eines Mindesthaltbarkeitsdatums als Aufgabe der Bundespolitik sieht. Der neue Verein setzt deshalb Schwerpunkte. Erst beim Gemüse, das in der Region in großem Umfang angebaut wird, und demnächst beim täglich Brot.

(NGZ)
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