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Kammerakademie Neuss startet mit einer Uraufführung von Bernd Franke

Konzert im Zeughaus Neuss : Kammerakademie startet mit einer Uraufführung

Im ersten Abonnementkonzert der Deutschen Kammerakademie Neuss (DKN) teilt das Orchester unter seiner künstlerischen Leiterin Isabelle van Keulen eindrucksvoll mit, auch in Zukunft seine Leidenschaft für zeitgenössische Kultur zu fördern.

Im Mittelpunkt des Konzertes im ausverkauften Zeughaus stand die Uraufführung eines Werkes des Leipziger Komponisten Bernd Franke (60). Seine neue Komposition „ARKA – 3 Rituale“ für Pipa (chinesische Laute), Oboe, Streicher, Pauke und Schlagzeug entstand im Auftrag der DKN und auf Anregung des Oboisten Christian Wetzel.

Mit ihm arbeitet der Komponist seit zwei Jahrzehnten zusammen, wie auch mit der chinesischen Pipa-Meisterin Ya Dong, die seit 1987 in Deutschland lebt, „von wo aus sie dem europäischen Publikum ein Fenster zur chinesischen Musikwelt öffnet“, wie sie sagt. Sie und Christian Wetzel sind auch die Solisten der Uraufführung.

Ein Großteil der Kompositionen Bernd Frankes sind in den letzten 20 Jahren in Asien entstanden oder konzipiert worden. Auch für „ARKA“ haben ihn die Kulturen und Religionen Asiens inspiriert. „In der asiatischen Kultur spielen der Spiegel und der Kreis eine wichtige Rolle“, erläutert der Komponist, „und so werden die Töne, Rhythmen und Formen eingehoben in die drei Rituale.“

Das erste Ritual hat als Untertitel „Himmel“, der Oboist beginnt mit einem Solo hinter dem Publikum. Ihm antwortet die chinesische Laute mit schwebenden Glissandi. Dann spielt die Oboe mitten aus dem Publikum, zum Ende des ersten Teils dialogisieren Oboe und Pipa nebeneinander auf dem Podium. Erstmals hat ein Komponist diese beiden Soloinstrumente miteinander verknüpft. Darin eingebettet sind mit vielen Effekten Streicher, Pauke (Jürgen Grözinger) und enorm umfangreiches Schlagwerk (Ralf Kurley).

Im schroffen Gegensatz zum „Himmel“ beginnt die „Erde wüst und leer“, bevor auch klanglich feine Strukturen in erfassbarer musikalischer Sprache erlebbar sind. Der Schlusssatz „Raum“ beginnt in einem Streichquartett ruhig und getragen. Die Weite des Raumes loten die Musiker zum Ende tatsächlich aus: Alle Violinen und Bratschen verlassen das Podium und spielen im Zeughaus verteilt auswendig weiter. Es gab starken Beifall für diese Erstaufführung.

Umrahmt wurde die Uraufführung mit zwei Werken von Richard Strauss. Neben der Streichsextett-Ouvertüre zu seiner letzten Oper „Capriccio“ (1942) faszinierten besonders die „Metamorphosen“, die Richard Strauss im März/April 1945 vor dem Hintergrund der menschlichen und kulturellen Verwüstungen des 2. Weltkrieges schrieb und und als „Abschied von seinem Schaffen und der in Ruinen liegenden Welt“ verstand.. Das untertreibend als „Studie“ für 23 Solostreicher betitelte Werk eines bereits 81-Jährigen ist voller Ideen und Emotionen. Für raffinierteste Orchestrierungen braucht es ein exzellentes Orchester. Diesen Anspruch erfüllte die DKN erneut mit großer Bravour.