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Neuss: Kammerakademie mit eigenem Sextett

Neuss : Kammerakademie mit eigenem Sextett

Sechs Stimmführer der Deutschen Kammerakademie (DKN) haben das Ensemble Quirin gegründet und ihre ersten Konzerte erfolgreich absolviert. Die Koordination liegt beim DKN-Orchestermanager Martin Jakubeit.

Neuss hat ein neues Orchester: das Ensemble Quirin. Doch es zeigt bekannte Gesichter, denn die sechs Mitglieder spielen allesamt auch in der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein (DKN), sogar an prägnanter Stelle. Fenella Humphreys (Violine), Salma Sadek (Violine), Danka Nicolic (Viola), Andres Mehne (Viola), Milan Vrsjakov (Violoncello) und Teemu Myöhanen (Violoncello) sind Stimmführer in der DKN und bilden das Sextett, das je nach Bedarf und Programm auch mal als Quintett oder Quartett auftreten kann. Der Zwang zur Flexibilität kann indes auch von anderer Seite kommen: So sind Salma Hadek und Danka Nicolic als frischgebackene Mütter jüngst ausgefallen, aber mit Damir Orascanin (Violine), Noch-Stipendiat der DKN, er hört jetzt auf, wurde Ersatz ins Ensemble geholt.

Die Idee zu einem kleineren Ensemble kam aus den Reihen der Musiker, erzählt Orchestermanager Martin Jakubeit, der genauso wie Chefdirigent Lavard Skou-Larsen das Projekt sofort befürwortete. "Die sechs Stimmführer hatten sich des öfteren nebenbei getroffen, um zu musizieren", erzählt Jakubeit, "und stellten sich irgendwann die Frage: Was machen wir damit?"

Ein Ensemble gründen, war die Antwort. Jakubeit sah darin sofort eine "ideale musikalische Partnerschaft" zur DKN und übernahm es auch, Auftritte zu koordinieren oder zusätzliche Proben zu organisieren. Denn geprobt wird viel, auch wenn sich die Musiker gut kennen und als Streicher ein großes Repertoire haben: "Da wird jeder Ton ausgespielt", sagt der 44-Jährige, "muss die Komposition für ein Sextett anders gelenkt werden."

Zunächst aber musste ein Name für das neue Ensemble her. "Bezug zu Neuss sollte er haben", sagt der Manager, "Quirin oder Quirinus lag deswegen nahe." Für die Folge "Ensemble Quirin" habe man sich dann entschieden, weil es auch international klinge.

Inzwischen hat das Ensemble erfolgreich seine ersten Auftritte absolviert. Und sie kamen so zustande, wie Jakubeit sich das erhofft hatte. Über eine Anfrage an die DKN für ein Engagement, für das der Auftraggeber aber ein kleineres Budget kalkuliert hatte: "Da konnten wir das Ensemble Quirin anbieten", sagt er. Das passte beim Festival im spanischen Nerja und auch beim Festival "Sommer Schlösser Virtuosen" mit fünf Konzerten: "Das wäre ohne das Ensemble gar nicht gegangen." Dass die Verbindung von DKN und Ensemble Quirin immer klar herausgestellt wird, ist eine feste Abmachung zwischen Orchestermanagement und Musiker. Zumal da sich letztgenannte auch als Nicht-mehr-Stipendiaten immer noch als Mitglieder der DKN empfinden.

Dass Musiker auf Achse sind, während andere schon Ferien machen, sind sie gewohnt. Im Sommer ist Festival-Zeit - ein Hochzeit für Ensembles wie das aus Neuss, sagt Jakubeit. Und Musiker wie der Bratschist Andres Mehne wissen, dass Festivalkonzerte entspannter verlaufen: "Nicht nur bei den Musikern, sondern auch beim Publikum." Außerdem: "Oft hat man als Musiker im Sommer auch nicht viel zu tun, und schon deswegen nimmt diese Gelegenheit gerne mit."

Vor allem, wenn sie einen an ungewöhnliche Orte führt. Im spanischen Nerja hat er mit dem Ensemble Quirin ein Konzert in einer Tropfsteinhöhle gegeben. "Das war wirklich ein besonderer Ort", sagt er und lacht. "Es war sehr feucht, was sich auf die Instrumente bis hin zum Bogen ausgewirkt hat. Und von oben hat es wirklich getropft."

Mehne war bei der fünfteiligen "Schlössertour" des Neusser Orchesters dabei - entweder als Streicher im Ensemble Quirin oder in der großen Kammerakademie. Am gestrigen Sonntag ist das Stipendiatenorchester beim Abschluss des Festivals "Gezeitenkonzerte" im ostfriesischen Leer zu Gast gewesen und wurde von Lavard Skou-Larsen dirigiert. Geprobt haben die Musiker aber in Neuss. Jetzt, so erklärt Andres Mehne lachend, könne er dann auch Urlaub machen, bis im Oktober die Saison wieder losgeht.

Der in Berlin lebende Musiker gehört zwar schon seit längerer Zeit nicht mehr als Stipendiat zur DKN (das war er von 2007 bis 2011), arbeitet inzwischen auch mit anderen Orchestern zusammen, "aber die DKN ist immer noch mein Hauptorchester", sagt er lachend. Mehne ist nicht nur Bratschist, sondern auch Dirigent, hat das Konzert auf Schloss Raesfeld geleitet und ist immer noch und immer wieder von der großen Spielfreude seiner Kollegen begeistert: "Die ist einfach unglaublich", sagt der 40-Jährige und ergänzt: "Mit der DKN macht beides viel Spaß - spielen und dirigieren."

(NGZ)