Neuss: Kammerakademie bekommt eine Chefin

Neuss : Kammerakademie bekommt eine Chefin

Die Geigerin und Bratschistin Isabelle van Keulen wird für zwei Jahre als "Artist in Residence" die DKN leiten. Sie eröffnet die neue Saison.

Nach rund zwölf Jahren männlicher Leitung bestimmt nun eine Frau die Geschicke der Deutschen Kammerakademie (DKN). Wie der Trägerverein der DKN mitteilt, wird Isabelle van Keulen die Nachfolgerin von Lavard Skou Larsen. Zumindest für die nächsten zwei Jahre. Denn so viel Zeit will sich der Verein geben, eine endgültige Personalentscheidung zu treffen. Aber das Stipendiatenorchester soll aber nicht gänzlich ohne Führung sein, also wurde die Stelle am Pult an einen "Artist in Residence" vergeben.

Mit Neuss und der DKN hatte die gebürtige Niederländerin bislang wenig zu tun, dafür war und ist sie als Solistin in der ganzen Welt unterwegs. Ihre Basis dabei ist Hannover. Dort lebt sie, die viele Jahre mit ihren Kindern in London wohnte, mit ihrem Mann Rüdiger Ludwig (Kontrabassist bei der NDR-Radiophilharmonie), und dort kann es auch schon mal vorkommen, dass man sie beim Sport trifft - er und die Gartenarbeit sind die anderen großen Vorlieben der Musikerin.

Mit ihrem Vorgänger hat van Keulen mehrere Dinge gemeinsam. Sie ist wie Skou Larsen Geigerin und wurde wie er stark von Sandor Vegh geprägt. Im Studium in Salzburg entdeckte sie zudem ihre Liebe zur Bratsche, und nachdem sie kurzfristig für einen Kollegen eingesprungen war, blieb sie ihr treu.

Als künstlerische Leiterin hat Isabelle van Keulen bereits einige Erfahrungen gesammelt - etwa bei dem von ihr auch mitgegründeten Delft Chamber Music Festival (von 1997 bis 2006) und als Artistic Director des Norwegian Chamber Orchestra bis 2012. Wie Skou Larsen unterrichtet sie auch, allerdings nicht am Mozarteum in Salzburg, sondern als Professorin für Violine, Viola und Kammermusik an der Musikhochschule in Luzern.

Die Musikerin ist gerade 50 Jahre alt geworden und spielt Geige seit ihrem fünften Lebensjahr. Wobei das Flötenspiel der älteren Schwester für das kleine Mädchen sehr inspirierend gewesen sein muss, denn ihr wollte sie unbedingt nacheifern. Allerdings auf der Geige, die Isabelle schon damals besonders gut gefiel. Mit elf Jahren begann Isabelle van Keulen, mit großem Erfolg an Wettbewerben teilzunehmen. Spätestens da festigte sich in ihr auch der Wunsch, Geigerin zu werden. Das Talent dazu hatte sie zweifellos. Dennoch hielt sie sich nach dem Abitur ein Hintertürchen offen: Archäologin wollte sie werden, falls es mit der Geige nicht klappen würde.

Das war schnell kein Thema mehr, mit gerade 20 Jahren gab sie ersten Unterricht - und musste den nur wenig später wieder aufgeben, weil ihre Solokarriere voranschritt.

Was van Keulen für die Leitung am Pult des jungen Stipendiatenorchesters nicht schaden dürfte, ist ihre Vorliebe für Grenzüberschreitungen. Seit einigen Jahren schon tut sie sich nicht nur mit Einspielungen und Live-Auftritten klassischer Werke hervor, sondern auch mit den Werken des "Tango-Papstes" Astor Piazolla.

Das Programm der nächsten DKN-Saison trägt bereits ihre Handschrift, ihren ersten Auftritt am Pult hat sei beim Eröffnungskonzert. Im Mittelpunkt steht dabei Beethoven, dessen Violinkonzert sie auch selbst bestreiten wird. Lavard Skou-Larsen verabschiedet sich mit der traditionellen Klassiknacht im Rosengarten. Dann steht er als Chef zum letzten Mal am Pult, das Programm wird derzeit noch zusammengestellt. Fest steht aber, dass es in den städtischen Veranstaltungsrahmen zum Grand Depart der Tour de France eingebettet ist.

(hbm)
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