Neuss : Kalte Kunstwerke

Weil das Geschäft mit den Kugeln zurückging und Eiscafé-Besitzer Thomas Gohl auch nicht auf Laufkundschaft zählen kann, suchte er nach einer neuen Idee, seine süße Ware anzupreisen – und bietet nun Eistorten in unterschiedlichsten Größen an.

Weil das Geschäft mit den Kugeln zurückging und Eiscafé-Besitzer Thomas Gohl auch nicht auf Laufkundschaft zählen kann, suchte er nach einer neuen Idee, seine süße Ware anzupreisen — und bietet nun Eistorten in unterschiedlichsten Größen an.

Die Schalke-Torte war denn doch etwas zu teuer. Der Kunde wollte das ausgefallene Naschwerk in Stadionform, Spielfeld und Tore obendrauf und das Ganze natürlich in den Vereinsfarben blau-weiß. "Nach einer ersten Kalkulation hätte die Torte fast 250 Euro gekostet", erinnert sich Thomas Gohl. Das war dem Kunden für einen Überraschungsgag, der binnen Minuten dahinschmelzen würde, doch zu viel. Schade eigentlich, denn abgesehen von dem Verdienst, wäre es für den Weckhovener auch eine kreative Herausforderung gewesen, solch eine Torte herzustellen.

Thomas Gohl ist gelernter Koch und Hotelfachmann. Als vor neun Jahren seine Mieter kündigten und die von ihnen betriebene Eisdiele plötzlich leerstand, beschlossen der 40-Jährige und seine Frau Anna, ins Eisfach zu wechseln. "In der Eisfachschule Iserlohn machte ich ein Seminar und dann ging's los." Den Tausch von der Herdplatte an die Eismaschine hat er bis heute nicht bereut. Dennoch ist das Geschäft mit dem "Genussmittel" Eis nicht einfach. Die Folgen der Wirtschaftskrise machten auch vor dem Geschäft im Weckhovener Ladenzentrum nicht halt. "Früher kauften die Leute drei bis vier Kugeln, heute eher eine oder zwei", erzählt Gohl. Und so suchte er nach einer neuen Idee, das Geschäft mit dem Eis anzukurbeln.

"Jede davon ist ein Unikat", sagt Thomas Gohl selbstbewusst. Ob zur Hochzeit, zum runden Geburtstag, zur Kinderparty, zum Vereinsjubiläum, zur Kommunion oder Konfirmation — die Torten werden nach Absprache hergestellt und natürlich in einer speziellen Verpackung angeliefert. Denn einen Nachteil hat die süße Versuchung in jedem Fall: Sie wird schnell flüssig. "Wenn wir kommen und liefern, dann sollten die Gäste schon mit dem Löffel in der Hand da stehen", meint Gohl lachend. Das Eis, das alle in ihren Torten haben wollen, ist Vanille. Damit die Kalorienbomben aber nicht alle in der eher langweiligen Farbe auf den Tisch kommen, wird entsprechend gefärbt — von himmelblau bis schwarz ist alles zu haben. "Schwierig ist es manchmal die gewünschte Dekoration zu finden", erzählt Anna Gohl und berichtet von der stundenlangen Suche im Internet. Zurzeit ist die 41-Jährige auf der Suche nach Deko-Fledermäusen, die die Hochzeitstorte ihres Sohnes, einem Gothic-Fan, zieren sollen.

Zehn Eissorten gibt's im Sortiment, jedes Jahr kommt zwar eine neue dazu, doch die verschwindet auch wieder, weil sie eigentlich keiner will. "Wir haben einmal ein schwarzes Vanilleeis mit dem Namen ,Black Mamba' angeboten", sagt Anna Gohl. Doch selbst junge Leute wollten das nicht probieren. Neben Vanille- gehören noch Schokoladen-, Stracciatella-, Zitrone- und Erdbeereis zu den ewig beliebten Sorten im Eiscafé Picco.

(NGZ)