Neuss: Kabarettistenduo Alfons und Steimle erklärt die Welt

Neuss : Kabarettistenduo Alfons und Steimle erklärt die Welt

Das Duo entlarvte Vorurteile auf der RLT-Bühne.

Sein größtes Markenzeichen fehlte: das riesige Puschelmikrofon, mit dem der Franzose und Wahlhamburger Alfons durch deutsche Innenstädte zieht. Seine nur scheinbar harmlosen Fragen entlarven regelmäßig und oft erschreckend das Wesen des deutschen Fußgängerzonen- und Wochenmarktbesuchers. Auch sein Bühnenpartner Uwe Steimle, vor allem bekanntgeworden als vorlauter Hauptkommissar Jens Hinrichs im "Polizeiruf 110", setzt sich mit den Untiefen der ost- und westdeutschen Seele auseinander. Beide zusammen erklärten jetzt als Franzose und Sachse dem Publikum in der RLT-Kabarettreihe "20.30" die Welt.

"Fourschbar" ist auf Steimles froschgrünem T-Shirt zu lesen, und "fourschbar" sei so ziemlich alles für den Ostdeutschen an sich, den "Jammer-Ossi". Dabei, so der unüberhörbar aus Sachsen stammende Steimle, könne er das Wort ostdeutsch jetzt, 23 Jahre nach der "Kehre", nun wirklich nicht mehr hören. Zum Glück seien die Ostdeutschen aber nicht nachtragend: "Wir vergessen nur nichts." Mit Bemerkungen wie "Kürzlich war ich ja mal wieder in der Bundesrepublik" oder durch Fragen ans Publikum wie "Ist denn noch jemand von uns da?" spielt er mit seinem großen Thema: Die Mauer in den Köpfen ist noch vorhanden. So sei ihm kürzlich in Dresden ein Werbeschild einer Konditorei aufgefallen, das mit "original sächsischen Crepes" warb. Irritiert fragte er bei der Inhaberin nach und bekam die Antwort: "Ach, Herr Steimle, das ist doch nur für die Touristen. Was kann ich denn dafür, wenn die Wessis nicht wissen, was Plinsen sind?" Damit wäre dann auch das alte Klischee vom Sachsen bestätigt, der bekanntlich "helle, heflich und hemtüksch" sei.

Alfons beruhigt die Deutschen, an dem alten Vorurteil, die Franzosen könnten die Deutschen nicht leiden, sei überhaupt nichts dran: "Die Franzosen können einfach niemanden leiden!" Natürlich mache es die Sache nicht besser, dass die Deutschen gerade die Musterknaben der EU seien: "Ja, ihr seid Spitzenreiter, ihr macht alles richtig – bis auf die Socken in die Sandalen".

Zum Glück bestehe jedoch seit 50 Jahren offiziell die deutsch-französische Freundschaft, aber schon damals hätten sich die großen Mentalitätsunterschiede abgezeichnet, so Alfons: "Nachdem alles abgesprochen war, jubelten die Franzosen: herrlich, endlich Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich! Darauf trinken wir einen Rotwein! Doch die Deutschen bestanden darauf: Nein, erst wird der Vertrag unterschrieben!"

Ohne Zugabe wurden die beiden nicht entlassen, Alfons führte Höhepunkte seiner Straßenumfragen vor, während Steimle sich für eine kurze Rede in Erich Honecker verwandelte. Ein gelungener (ost-)deutsch-französischer Abend.

(NGZ)