Neuss: Kabarett mit Thilo Seibel: Das Böse regiert im TaS

Neuss: Kabarett mit Thilo Seibel: Das Böse regiert im TaS

Das Gastspiel des Kölner Polit-Kabarettisten Thilo Seibel im Theater am Schlachthof (TaS) litt noch unter den Osterferien: Nur knapp 30 Zuhörer wollten dem bekannten Pointenvirtuosen bei seinem Streifzug "Das Böse ist verdammt gut drauf" folgen. Aber so versteht man, was Kleinkunst heißt. "Klein auf der Bühne, klein im Publikum".

Den Weg vom Bahnhof zum Theater am Schlachthof im Barbaraviertel hatte der Kölner zu Fuß zurückgelegt "und die ganze Ästhetik von Neuss aufgenommen". Aber das Böse zu suchen, ist gar nicht so einfach.

Und doch entdeckt es Thilo Seibel überall, bei Regierungsmitgliedern, in Spionageverträgen und Freihandelsabkommen, und liefert es dem Publikum aus. Dabei sind seine Pointen oft so feinsinnig gespielt, dass das Publikum Zeit braucht, um sie zu verstehen. Lachen und entsetzte Nachdenklichkeit wechseln im gleichen Tempo, in dem der Kabarettist aktuelle Geschehnisse kommentiert. "Flüchtlingsheime anzünden, Okay, aber der Anschlag auf einen Fußballbus?"

Das Böse manifestiert sich vor allem in Personen, viele Beispiele um Erdogan, Putin und Trump sollen das beweisen. "Aber auch Europa hat seinen Donald (Tusk). Flüchtlinge in der EU verteilen, wer macht denn da noch mit?" Die Grenzen des Bösen sind fließend. "Wenn der böse Trump gegen das böse Freihandelsabkommen ist, was mach ich denn dann?" Man kommt einfach nicht mehr hinterher.

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Auch die nahezu vollständige Phalanx deutscher Politiker wird, zum Teil auch im Dialekt, karikiert. Die Erhöhung des Kindergeldes ist "eine Mischung aus Böse und Blöd, also quasi Horst Seehofer". Eine Fülle von Statistiken und Zahlen, die Seibel zitiert, überfordern gelegentlich die Zuhörer.

Dafür gibt es aber Entspannung. Die gespielte Szene in einem französischen Schlafzimmer ist einfach nur köstlich. Und beim Thema "Vermögen und Umverteilung in Deutschland" darf das Publikum selbst aktiv werden und Smarties verwalten. Bei allen anderen Themen - Sicherheitsempfinden, digital globalisierte Welt, Bundeswehreinsatz im Innern - waren das Böse und der Solist Thilo Seibel verdammt gut drauf.

(NGZ)