Neuss: Kaarster Singabend ein voller Erfolg

Neuss: Kaarster Singabend ein voller Erfolg

Über 100 Frauen haben mit der Sängerin Anja Lerch zusammen gesungen.

Kaarst (keld) Seit 100 Jahren haben Frauen in Deutschland eine Stimme, um zu wählen - aber schon immer verfügen sie über eine Stimme, um zu singen. Das stellten zahlreiche Damen bei "Anjas Singabend" unter Beweis, eine Veranstaltung der Stadt Kaarst, nachträglich zum Internationalen Weltfrauentag.

Auf dem Podium der Realschule Halestraße verzauberte Anja Lerch am Klavier ihr Publikum und schlug unzählige Lieder aus den Bereichen Rock, Pop, Folk und Schlager an. Ihre in dunklem Timbre vibrierende Stimme ließ schon das Zuhören zum Genuss werden, aber die studierte Sängerin lädt bei ihren Abenden ja vor allem zum Mitsingen ein. Dieser Aufforderung kamen alle nur zu gern nach - aus vollem Herzen erklangen Lieder wie "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" von Marlene Dietrich oder "Mein Ideal" von Caterina Valente. Die dazugehörigen Texte wurden an die Wand projiziert, so dass jede Frau problemlos folgen konnte. Die Zusammenstellung des Programms nahm passend zum Weltfrauentag Bezug auf weibliche Interpreten, es kamen aber auch Songs männlicher Künstler wie John Lennon oder Udo Jürgens vor. Dessen Evergreen "17 Jahr - Blondes Haar" textete Anja Lerch, die seit zehn Jahren mit großem Erfolg ihre Singabende veranstaltet, in "40 Jahr - graues Haar" um. Sehr zur Freude des Publikums, das sich offenbar an der einen oder anderen Stelle wiedererkannte.

  • Kaarst : Singabend zum Internationalen Frauentag

Auch Englischsprachiges wie "Ain't got no" der Menschenrechtsaktivistin Nina Simone stand auf dem Programm, das einen leicht politischen Touch hatte, denn auch Bilder prominenter Unterstützerinnen der Me-Too-Debatte wurden gezeigt. Die Lieder wechselten sich mit eingeblendeten Aphorismen wie "Ein Archäologe ist der beste Mann, den eine Frau haben kann: Je älter sie wird, umso mehr interessiert er sich für sie" von Agatha Christie ab.

Anja Lerch zeigte sich begeistert vom Publikum: "Eure Stimmen klingen ja wie geölt, die reinsten Glocken", meinte sie und verglich die Stimmung mit einem Woodstock-Festival. Sogar zwei "Quotenmänner" sangen mit: Einer war Dirk Steermann, der seine Frau Heike begleitete. "Ich mag solche Veranstaltungen - echte Gleichberechtigung ist für mich, wenn jeder das machen kann, was ihm Spaß macht!" Auch Bürgermeisterin Ulrike Nienhaus fand den Singabend "ganz toll". Der tosende Schlussapplaus bescherte den Teilnehmern noch mehrere Zugaben, unter anderem den von Lerch selbst komponierten Song "No surrender". Damit erinnerte sie an farbige Frauen in den USA, die Opfer polizeilicher Gewalt wurden.

(NGZ)
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