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Junger Unternehmer wird Schlosser der Stadt Neuss

Brücke am Burggraben wird erneuert : Der Schlosser der Stadt

Radomir Mirkovic hat vor drei Jahren sein eigenes Unternehmen gegründet. Jetzt hat er die Ausschreibung der Stadt gewonnen, die ihm die Verantwortung für alle Außenanlagen aus Stahl überträgt. Aktuell erneuert er eine Brücke.

Am Burggraben hat die Sanierung der Fußgängerbrücke Richtung Neumarkt begonnen. Die alte Holzkonstruktion soll dabei nicht nur durch (langlebigeres) Metall ersetzt, sondern optisch auch an die so genannte Pierburg-Brücke angepasst werden, die – fast in Sichtweite – in Verlängerung der Collingstraße das Hafenbecken I überspannt. Ein Fall für Radomir Mirkovic, ein Fall für den „Schlosser der Stadt“.

Erst seit ein paar Monaten darf sich der 28-jährige Neusser mit diesem Zusatz vorstellen, denn er gewann Mitte des Jahres die Ausschreibung und ist nun als Partner der Stadt für Wartung und Instandhaltung von allen Außenanlagen aus Stahl beziehungsweise Edelstahl zuständig. Ein Auftrag, der einen seiner sechs Mitarbeiter komplett auslastet, wie Mirkovic erzählt. Und ein Auftrag, der nur schwer planbar ist.

Von der Firma „Metall- und Maschinenbau Mirkovic“, die erst vor drei Jahren gegründet wurde, wird nämlich erwartet, dass sie zur Stelle ist, wenn zum Beispiel Unfallschäden zu beseitigen sind. So wie vor einigen Wochen, als an der Friedrichstraße in Höhe des Pizzatürmchens ein Auto die Brüstung ramponierte und das Fahrzeug fast in den Erftmühlengraben gestürzt wäre. Die Baustelle abzusichern und das Geländer anschließend zu reparieren, wurde vertragsgemäß der jungen Bauschlosserei mit Sitz an der Kapitelstraße übertragen.

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Zur Beseitigung von Unfallgefahren kommt die Verantwortung für Tore, Zaunanlagen oder Brüstungen in städtischem Besitz – und manchmal auch für ramponierte Laternen. „Wir haben im Betrieb eine eigene Richtbank für so etwas“, sagt Mirkovic, der seine Zuständigkeit knapp so zusammenfasst: „Alle Ingenieurbauwerke.“

Unter diesen nehmen die Brücken eine Sonderstellung ein. „Man glaubt gar nicht, wie viele es davon in Neuss gibt“, sagt Mirkovic. Über 40 hat er gezählt, und als nächste wird sich seine Mannschaft im Auftrag der Stadt eine kleine Brücke im Reuschenberger Busch vorknöpfen. Eine Besonderheit sind diese Bauwerke seiner Darstellung nach, weil Brücken-Pläne und statische Berechnungen zugrunde liegen.

Viele Arbeiten werden über den Jahresvertrag mit dem „Schlosser der Stadt“ abgedeckt, manche nicht. Der beschlossene Neubau der Erftbrücke am Nixhof zum Beispiel wird von diesem Auftrag nicht erfasst, sondern separat ausgeschrieben. Und natürlich werde er sich bewerben, sagt Mirkovic. So, wie er sich auch um den Bau der Fußgängerbrücke am Burggraben bewerben musste. Die wurde zunächst abgeräumt, damit die Trägerkonstruktion untersucht werden konnte. An der seien nur kosmetische Reparaturen nötig, sagt Mirkovic. Die Handläufe –  Holz hat an der Stelle ausgedient – werden derzeit in seiner Werkstatt aus Edelstahl gefertigt und in drei Wochen montiert. Größte Veränderung: Eine LED-Lichtleiste im Handlauf sorgt für indirekte Beleuchtung des Bauwerkes. Sie ist Teil des Lichtkonzeptes, das an dieser Stelle, wo das größte erhaltene Teilstück der mittelalterlichen Stadtmauer steht, einen besonderen Akzent setzen möchte.

Vor der Endmontage muss sich Mirkovic noch um die Königsstele in der Krämerstraße kümmern. Dieses Geschenk von Schützenkönig Karl-Theo Reinhart hatte er nach etlichen Anfahrschäden komplett neu gebaut. Nun muss er noch den letzten Schützenkönig nachtragen.