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Neuss: Junge Tänzer voller Charme

Neuss : Junge Tänzer voller Charme

Bei den Internationalen Tanzwochen in der Stadthalle begeisterte die Juniorcompany des Bayerischen Staatsballetts das Publikum. Sie stellte fünf Choreographien von großer Bandbreite vor.

Rappen zu Tschaikowskys "Schwanensee"? Das geht? Und wie das geht! Nicht umsonst wird Ralf Jaroschinskis Choreografie "Intuition Blast" im Programmheft als "ausgesprochener Publikumsliebling" bezeichnet — auch die Zuschauer bei den Internationalen Tanzwochen reagieren intuitiv und explodieren in der Stadthalle förmlich in ihrer Begeisterung, als die letzten Töne zum Pas der quartre der Kleinen Schwäne aus dem 2. Akt verklangen, und die beiden Tänzer Shawn Throop und Carlos Saleedo de Zarraga sich schwer atmend, aber überglücklich verneigten.

Wenn es noch eines Beweises bedarf, dass der ehemalige Streetdance HipHop in all seinen Facetten längst in der internationalen Bühnen-Tanzsprache angekommen ist, dann liefert Jaroschinskis Arbeit — immerhin von 1998 — diesen auf überzeugende Weise. Und sie passt so wunderbar zum Repertoire einer jungen Truppe, die noch auf dem Sprung in die Ballettwelt ist.

16 Tänzer umfasst die erst im Herbst vergangenen Jahres gegründete Juniorcompany des Bayerischen Staatsballetts, die gleichwohl schon auf Tournee geht und dafür ein Programm aus acht Choreographien anbieten kann, das die Elemente des klassischen Balletts bis eben hin zum HipHop abdeckt.

Die Eröffnung mit der "Symphonie in D" von Jiri Kylián setzt gleich einen großartigen Anfang. Zu Haydns Sinfonie Nr. 101 und 71 wuseln, tanzen, schäkern sich alle 16 Tänzer mit umwerfendem Charme über die Bühne, voll sichtbarer Freude, die rasante Komik der Arbeit auskosten zu können. Der schwungvollen Jugendlichkeit hängt der erfahrene Staatsballett-Tänzer und Choreograph Norbert Graf ein reizvolles "P.S" an. Er erzählt und tanzt in Zitaten eine Geschichte von Leid und Leidenschaft eines Ballett-Besessenen.

Ob danach die von schwerer Seele bestimmten "Evenings Songs" (Choreographie Jiri Kylàn zu Musik von Dvorak) oder das mystische "Na Floresta" des Choreographen Nacho Duato zur Musik von Villa-Lobos — immer ist zu spüren, mit welcher Hingabe die jungen Tänzer sich die Arbeiten angeeignet haben. Allerdings kommt ihnen derzeit die moderne Tanzsprache noch entgegen, denn in einem Punkt schwächelt die Company — in der Synchronität.

Das wird vor allem im "Intermezzo" von Terence Kohler zur Schostakowitsch' Ballett-Suiten sichtbar. Vor allem in den klassischen Szenen ist nicht darüber hinwegzusehen, dass es da noch einiges an gemeinsamer Übung bedarf.

(NGZ)