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Neuss: Junge Fotokunst aus Neuss

Neuss : Junge Fotokunst aus Neuss

Der junge Neusser Fotokünstler Amédé Ackermann kombiniert seine Bilder mit eigenen Texten. Jetzt hat er den Schritt an die Öffentlichkeit gewagt und erhält von professionellen Kollegen viel Zuspruch.

Irgendwann war es da, das Bedürfnis, anderen Menschen zu zeigen, was er tut. Lange war Fotografieren für Amédé Ackermann ein Hobby. Bis der 26-Jährige merkte, dass es weit mehr für ihn ist: die Möglichkeit, sich auszudrücken, sich zu äußern, Erlebnisse zu verarbeiten. Immer öfter nutzt er dazu nicht allein das Bild, sondern auch das Wort, schreibt Gedichte, Gedanken, kurze Geschichten zu den jeweiligen Motiven.

"Das muss jemand anderem gar nicht unbedingt gefallen", sagt er. Doch die bisherigen Ergebnisse sind immerhin so überzeugend, dass er im November zwei seiner aktuellen Werke an der Young Talents Wall auf der 4. Photo Popup Fair im Düsseldorfer Stilwerk ausstellen durfte. Als einer von wenigen jungen Fotografen und Akademiestudenten, die aus einer Vielzahl von Bewerbern ausgewählt worden waren. Die positive Resonanz gestandener Profis tat Amédé Ackermann gut und bestätigt ihn, auf dem richtigen Weg zu sein. Auch wenn er noch weit davon entfernt ist, mit seiner Kunst Geld zu verdienen oder gar seinen Lebensunterhalt davon bestreiten zu können. Seine Arbeiten: meist großformatige Bilder in Schwarz-Weiß, auf denen Amédé Ackermann Architektur in Landschaften hinein montiert. Oft karg, klar strukturiert. Bisweilen surreal, aber nicht unrealistisch. Wie der symmetrische Sakralbau vor Bergpanorama, der ein buddhistisches Kloster sein könnte, wenn nicht ein Kreuz auf dem Dach zu sehen wäre. Titel: Das letzte Haus.

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Die Friedhofskapelle in Speyer fotografierte Ackermann nach der Beerdigung des Großvaters, mit dem er sich sehr verbunden fühlt, versetzte sie am Computer dann in eine andere Landschaft. Oder jenes schlichte Gebäude, das er vor die Bergwelt von Garmisch projizierte, das im Original jedoch in Korschenbroich-Liedberg steht. "Haus der Flammen" heißt ein anderes Bild, zu dem der Neusser ein eindringliches Gedicht schrieb. Die archaisch anmutende skandinavische Stabkirche in rauer Landschaft weckt Assoziationen. Manches erinnert von Ferne an den Maler Caspar David Friedrich. Ein Vergleich, der Amédé Ackermann gefällt: "Er beeinflusst mich tatsächlich, er zeigt Menschen zumeist abgewandt, nicht mit ihrem Gesicht im Fokus."

Dass er Begleitendes zu den Bildern schreibt, entwickelte sich allmählich. "Ursprünglich war ich davon überzeugt, es genügt, wenn ich weiß, warum ich etwas fotografiere", sagt Ackermann, den eine Lese-Rechtschreib-Schwäche nicht davon abhielt, als Jugendlicher Rap-Texte zu verfassen. "Aber wenn ich dann mal die Geschichte hinter den Bildern erzählt habe, bekam ich immer sehr gutes Feedback."

Mit der Region in und um Neuss ist Amédé Ackermann, dessen Eltern aus der Pfalz an den Niederrhein kamen, eng verwachsen. In Neuss geboren, dort und in Kleinenbroich aufgewachsen, fühlt er sich stark mit der Gegend verbunden. Nicht zuletzt, weil sein neunjähriger Sohn hier lebt, "mein Anker", wie er sagt.

Die Ausbildung zum Technischen Zeichner war eine Vernunftentscheidung, heute ist es Brotberuf. Doch das, was mit einer kleinen Digitalkamera vor gut fünf Jahren begann, wurde immer wichtiger in seinem Leben. Er besuchte eine Foto-Akademie in Köln, sammelte weitere Erfahrungen in verschiedenen Fotostudios sowie in einer PR-Agentur. Mitte des Jahres dann der Entschluss, sich mit den Fotos hinauszuwagen. Ein Internet-Auftritt steht (www.amede-ackermann.de), erste Möglichkeiten auszustellen, haben sich bereits ergeben.

Und Amédé Ackermann - Amédé ist übrigens kein Künstlername - hat noch viele Ideen - und auch einen Plan: "Ich möchte auf die Besitzer leerstehender Gebäude zugehen, um dort für wenige Tage, vielleicht mit anderen Künstlern, Mini-Ausstellungen zu organisieren." In Neuss als Neusser anderen Neussern seine Fotos zeigen - darauf hat er Lust. "Ich will zeigen, dass es mich gibt."

(NGZ)