Lesung Altaras: Jüdische Autorin erzählt von ihrem Leben und einer Souffleuse

Lesung Altaras : Jüdische Autorin erzählt von ihrem Leben und einer Souffleuse

Adriana Altaras ist in Zagreb geboren, lebt in Berlin und kam zu den Jüdischen Kulturtagen zu einer Lesung in die Stadtbibliothek.

Sie ist Autorin, Schauspielerin, Regisseurin – und Jüdin. In ihrem Buch „Die jüdische Souffleuse“ beleuchtet Adriana Altaras abwechselnd die schillernde Theaterwelt und das individuelle, schockierende Schicksal der jüdischen Souffleuse Sissele.

Im Rahmen der Jüdischen Kulturtage kam die 59-jährige Autorin in die Stadtbibliothek, las, beantwortete Fragen von Bibliotheksmitarbeiterin Christine Breitschopf und erzählte aus ihrem Leben. Sie tat dies alles mit sehr viel Temperament und Esprit. „Eine tolle Frau“, schwärmte eine Besucherin zum Schluss.

Nichts ist so brutal wie die Wahrheit. Eigentlich hatte Adriana Altaras den Lesern einen Einblick in die Theaterwelt gewähren wollen. „Aber dann habe ich die Geschichte von Sissele gehört, und sie hat mich nicht mehr losgelassen“, erklärte die Autorin, die in Zagreb geboren wurde, in Marburg auf eine Waldorfschule ging und die jetzt in Berlin lebt. Also entschied sich Altaras für weniger Nabelschau, um in ihrem Buch Platz zu schaffen für die tragische Geschichte der Souffleuse.

Die Kombination hält sie für sinnvoll: Die überwiegend heiteren Schilderungen von den Brettern, die die Welt bedeuten, was die Beschreibungen des Grauens für den Leser erträglich machen. Adriana Altaras verriet nicht viel von dem Vater der Souffleuse. Nur, dass er als Jude einem Sonderkommando in einem Konzentrationslager angehörte und dort zwar privilegiert war, aber Unvorstellbares erlebte. „Mitglieder dieser Sonderkommandos wurden nach dem Krieg ,Geschöpfe der Unterwelt’ genannt. Man mied sie“, erklärte sie. Und sie schilderte die aufdringliche Weise, mit der sich Sissele der Regisseurin näherte mit dem Ziel, an Informationen über ihre Familie zu kommen.

Was immer wieder auffiel, egal, ob die Autorin las oder über das Leben sinnierte, waren schlaue Sätze wie diese: „Der Krieg hat mit allen was gemacht, nicht nur mit Juden.“ Oder, in Bezug auf jüdisches Leben in der Gegenwart: „Es wird nie wieder so sein. Es gab eine jüdische Welt, und die gibt es nicht mehr.“ Zurzeit beobachte sie, wie Juden aus Israel nach Deutschland kämen, „weil ihnen Israel wegen der politischen Lage auf den Senkel geht“. Es gebe rechten, aber auch linken Antisemitismus – und muslimisches antijüdisches Verhalten.

In Deutschland fühlt sich die 59-Jährige trotzdem sehr wohl, und sie verriet auch, warum das so ist: „Deutschland ist ein tolles Einwanderungsland, und ich bin ein Beispiel dafür, wie es funktioniert.“ Ihren Eltern – der Vater war Arzt – habe man ermöglicht, sich in Deutschland eine Heimat aufzubauen.

Und weil sie dieses Land so liebe, sei es ihr wichtig, dass die Werte mit Vehemenz verteidigt werden. An die Adresse der Muslimen gerichtet erklärte sie: „Frauen sind Frauen – und kein verschleiertes Sonstirgendwas.“

Mehr von RP ONLINE