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Neuss: Jubel über den Startenor

Neuss : Jubel über den Startenor

Neuss Erstmals gab es ein Vorprogramm in einer Klassiknacht im Rosengarten: Der Jugendchor der House of Hope Choir School aus St. Paul (USA) präsentierte sich unter Leitung von Sofia Ardalan auf der Bühne.

Neuss Erstmals gab es ein Vorprogramm in einer Klassiknacht im Rosengarten: Der Jugendchor der House of Hope Choir School aus St. Paul (USA) präsentierte sich unter Leitung von Sofia Ardalan auf der Bühne.

Den Gesang des kleinen, aber feinen Chors trug die exzellente Technik weit in das Rasenrund des Rosengartens hinein. Die überwiegend geistlichen Gesänge in makelloser Darbietung hätten allerdings ein wenig mehr Aufmerksamkeit der Zuschauer verdient.

Dann nahm die Deutsche Kammerakademie Neuss unter ihrem Chefdirigenten Lavard Skou-Larsen in großer sinfonischer Besetzung Platz und musizierte über "Helden, Mythen, Legenden".

WDR-Moderator Manni Breuckmann begleitete das Thema auf höchst unterhaltsame, oft spontan witzige Art. Angesichts der vielen tausend Besucher machte er Neuss gleich zum "Klassik-Woodstock am Rhein"...

Die Kammerakademie eröffnete zunächst mit schwerer Kost: Richard Wagners Ouvertüre zu "Der fliegende Holländer" als sinfonische Dichtung um Fluch und Erlösung wurde bestechend musiziert, prompt aber zogen dunkle Wolken auf, die dann erst bei "Marsch" und fröhlich-derbem "Danse russe" aus Peter Tschaikowskijs Ballettmusik "Nussknacker-Suite" endgültig gen Nordosten abzogen.

Von der Staatsoper Stuttgart war Ki-Chun Park nach Neuss gekommen, der mit seinem jugendlich-dramatischen Tenor leidenschaftliche Heldenepen sang. Bereits für seine erste Arie aus "Aida" bekam er "Bravos".

Ebenfalls von Giuseppe Verdi war die Arie "Di quella pira" des Troubadors, im Ton eher verhalten, spätestens aber bei "Nessun dorma" aus Giacomo Puccinis "Turandot" brandete Jubel über den Startenor auf.

Der "Trauermarsch", eine größere instrumentale Passage aus der "Götterdämmerung" von Richard Wagner, drückte da auf die Stimmung. Natürlich ist das ein opulentes Orchesterwerk, aber das gab es gleich eindrucksvoll und bedeutend farbiger bei "Nimrod" aus den "Enigma-Variationen" von Edward Elgar.

Mucksmäuschenstill wurde es, als die dkn die Titelmusik zum Film "Schindlers Liste" von John Williams spielte, und ihr Konzertmeister das Thema mit brillanter Solovioline überhöhte.

Danach fiel es Lavard Skou-Larsen leicht, die Überraschung der Klassiknacht, Maurice Ravels "Bolero" in einem Crescendo über fast 20 Minuten zu einem glänzenden Tutti zu steigern.

Eine Überraschung war auch der originelle, gekonnte Rap zu Williams Filmmusik "Superman". Nach mehr als zwei Stunden sorgte das Finale für restlose Begeisterung: Zu Edward Elgars Orchestermarsch "Pomp and Circumstance" illuminierte ein zur Musik punktgenau und prächtig choreographiertes Feuerwerk den Nachthimmel.

(NGZ)