Neuss: Jobcenter-Prozess: Angeklagter schweigt

Neuss : Jobcenter-Prozess: Angeklagter schweigt

In Düsseldorf begann der Prozess gegen Ahmed S., der eine Sachbearbeiterin im Jobcenter ermordet haben soll. Am ersten Prozesstag kam auch der Kollege als Zeuge zu Wort, den der Marokkaner am Tattag eigentlich aufsuchen wollte.

Ohne das erwartete Geständnis hat gestern am Düsseldorfer Landgericht der Prozess um den Mord im Jobcenter an der Stresemann-Allee begonnen. Der 53-jährige Angeklagte wollte sich nicht äußern. Sein Anwalt Gerd Meister kündigte aber auf Anfrage ein Geständnis an. "Es wird keine Finte meines Mandanten geben", so Meister in einer Prozesspause. "Ich gehe davon aus, dass er spätestens am dritten Verhandlungstag das sinngemäß wiederholen wird, was er auch der Polizei gesagt hat — nämlich, dass er die Tat begangen hat."

Weil der Angeklagte schweigt, kamen schon die ersten Zeugen zu Wort. Zwei Polizisten schilderten die Festnahme des Angeklagten. "Er stand einige Meter vom Gebäude entfernt", sagt ein 43-jähriger Beamter. "Als er uns gesehen hat, hob er die Hand — als wenn er sich bemerkbar machen wollte." Das Messer legte Ahmed S. nach Aufforderung der Beamten weg, doch auf den Boden legen wollte er sich nicht. Deshalb sei sein 29-jähriger Kollege zur Tat geschritten, habe S. am Boden fixiert und gefesselt.

Danach habe man ihn in einen Streifenwagen gesetzt. Dort habe S. sich beschwert: Er wäre dabei am Knie verletzt worden. Doch Ärzte stellten später nur Schürfwunden fest. Der Beamte konnte die Klagen nicht nachvollziehen: "Ich habe gedacht: Wie kann ich mich über Schmerzen am Knie beschweren, wenn ich gerade jemandem ein Messer in den Körper gerammt habe?", sagte er vor Gericht aus.

Drei Kollegen von Irina N., dem Mordopfer, traten danach in den Zeugenstand. Darunter auch der Jobcenter-Mitarbeiter, der eigentlich für Ahmed S. zuständig war. Am Tattag Ende September, als ihn Ahmed S. mit zwei Messern bewaffnet, zur Rede stellen wollte, war er nicht im Büro. So wurde seine 32-jährige Kollegin zum Opfer. "Er wollte die Datenschutzerklärung anfangs nicht unterschreiben", sagte er aus. "Ich habe ihm daraufhin erklärt, dass wir ohne diese Erklärung nicht fortfahren können." Ahmed S. unterschrieb, und das setzte nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft eine verhängnisvolle Kettenreaktion in Gang.

Als er am Tattag ins Jobcenter kam, war er nach Angaben seiner Anwälte "rasend vor Wut", weil er fürchtete, mit seinen persönlichen Daten könnte in der Behörde Missbrauch betrieben werden. Er traf nur auf Irina N. Und als die erklärte, sie habe keine Zeit für ihn, stach der gebürtige Marokkaner laut Anklageschrift zu.

Von den Arbeitskollegen hatte niemand den unmittelbaren Angriff auf die 32-Jährige beobachtet, wohl aber ein Kunde des Jobcenters. "Ich habe Schreie gehört und bin rein ins Büro", sagte er im Zeugenstand aus. "Da hab ich gesehen, wie der Angeklagte zugestochen hat." Aus Angst sei er geflüchtet und habe mit Kollegen der Frau die Polizei verständigt.

Ahmed S. hörte sich das alles von der Anklagebank aus an. Hin und wieder wechselte er ein paar Worte mit seinen Verteidigern.

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(NGZ/rl)
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