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Neuss: Jobcenter-Mord wirkt noch lange nach

Neuss : Jobcenter-Mord wirkt noch lange nach

Mit der Verurteilung von Ahmed S. zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe kommt der Jobcenter-Mord für alle Betroffenen zu einem Abschluss. Die Debatte um die Konsequenzen daraus aber nicht.

"Dieser Vorfall hat uns nachhaltig geprägt", stellte Ulrich Hartz fest. Die Verbesserung der Sicherheit in den Jobcentern bleibe weiter ein Thema für Geschäftsführung, Personalvertretung und Mitarbeiter, sagte der stellvertretende Geschäftsführer. Allerdings eröffne der Urteilsspruch auch die Chance, den Blick nach vorne zu richten und mit dem Vorfall abzuschließen.

Das gelang denen, die unmittelbar nach der Tat im vergangenen September zum Beispiel als Ersthelfer etwas tun konnten, besser als jenen, die an diesem Septembermorgen nur ohnmächtige Augen- oder Ohrenzeugen waren. Das jedenfalls beobachtete Joachim Schottmann, der als Psychologe der Kölner Firma "Human Protect" mit Kollegen die Jobcenter-Mitarbeiter bis zum Prozessbeginn begleitete. "Preisgabe, Kontrollverlust und Hilflosigkeit sind die Kernphänomene eines Psychotraumas", sagt er. Den meisten Mitarbeitern gelang es inzwischen, die Arbeit wieder aufzunehmen, doch auch für sie sei das Urteil wichtig, so Schottmann, "um nicht weiter zur Auseinandersetzung gezwungen zu sein". Vereinzelte Jobcenter-Mitarbeiter sind nach der Tat noch immer krankgeschrieben, hieß es aus der Behörde. Und der Sachbearbeiter, den Ahmed S. mit zwei Messern bewaffnet eigentlich aufsuchen wollte, ist dem Vernehmen nach in einem Jobcenter im Bergischen Land tätig.

"Diese Tat kann und wird man nicht vergessen", sagt auch Jürgen Steinmetz überzeugt, der Allgemeine Vertreter des Landrates. "Was die Sicherheit in unseren Jobcentern — aber auch in den anderen Behörden mit Publikumsverkehr — angeht, müssen und werden wir unsere Lehren daraus ziehen."

"Katastrophen wie in Neuss dürfen nicht mehr vorkommen", sagt Ulrich Silberbach, der Landesvorsitzende der Komba-Gewerkschaft mit Nachdruck. Die wolle ihren Beitrag leisten, damit die Kollegen besser geschützt werden. Seinen Niederschlag fand dies in einer Resolution "Gewalt gegen den öffentlichen Dienst massiv bekämpfen", die im März bei einer Personalrätetagung beschlossen wurde.

(NGZ/top)