Rhein-Kreis Neuss: Jobcenter-Mord: Kreis handelt

Rhein-Kreis Neuss: Jobcenter-Mord: Kreis handelt

Irina N., die in ihrem Büro im Jobcenter Neuss erstochen wurde, wurde am Freitag beigesetzt. Als Konsequenz aus diesem Verbrechen forciert der Kreis den Aufbau eines Integrationszentrums und kündigt Sicherheitsanalysen an.

Der Rhein-Kreis will die Schaffung eines Integrationszentrums vorziehen und forcieren. Bis zum Jahresende soll diese Einrichtung, die gerade erst im Kreis-Sozialausschuss vorgestellt worden war, so weit vorbereitet sein, dass sie möglichst früh eröffnet werden kann. Kreissozialdezernent Jürgen Steinmetz möchte das mit einem Integrationsgipfel verbinden und so "ein aktives Zeichen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit setzen". Der Grund für die Eile ist ein trauriger: der Mord im Jobcenter Neuss, dessen Opfer gestern in Düsseldorf beigesetzt wurde.

Irene N. war im Jobcenter an der Stresemannallee von einem ihrer Klientel mit dem Messer attackiert und erstochen worden. Diese Bluttat hat eine Debatte über die Sicherheit in Amtsgebäuden mit viel Publikumsverkehr in Gang gesetzt. Nachdem der Beigeordnete Stefan Hahn für die Stadt Neuss schon Sicherheitsüberprüfungen angekündigt hatte, bewegt sich nun auch die Kreisverwaltung auf diesem Kurs.

Der Kreis, der gemeinsam mit der Agentur für Arbeit Mönchengladbach Träger des Jobcenters Rhein-Kreis ist, wird auch die Sicherheitssituation in der Kreisverwaltung überprüfen. "Die schreckliche Tat hat uns alle schockiert und tief betroffen. Jetzt gilt es, die Sicherheit für unsere Mitarbeiter noch weiter zu verbessern", sagt Landrat-Vertreter Steinmetz. Dies gelte für Bestandsimmobilien und den geplanten Neubau des Jobcenters in Neuss ebenso wie für die Kreisverwaltung. Die Hochbauabteilung sei bereits beauftragt, eine Sicherheitsanalyse vorzunehmen und Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten.

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Im Fokus stehen vor allem Sozial-, Gesundheits-, Ausländer- und Straßenverkehrsamt. Schon im Kreis-Sozialausschuss am 22. November sollen Ergebnisse auf dem Tisch liegen. Die Sicherheit nach innen ist das eine, das Signal nach draußen das andere. "Wir beziehen klar Stellung gegen Extremisten, die die Jobcenter-Tat für rassistische und fremdenfeindliche Aktionen nutzen wollen", sagt Steinmetz, der ein konsequentes Vorgehen auch gegen alle Trittbrettfahrer fordert, die — wie in Mönchengladbach geschehen — in Behörden mit Taten "wie in Neuss" drohen. "Wir sind tolerant, weltoffen und international" betont Steinmetz und verweist auf Resolutionstexte, mit denen der Kreis mehrfach jedem politischen Extremismus eine Absage erteilt hat. "Wir wollen unsere Willkommenskultur weiter ausbauen."

Im Rhein-Kreis Neuss leben derzeit etwa 47 000 Ausländer. Die Integrationsarbeit der Verbände der Freien Wohlfahrtspflege unterstützt der Rhein-Kreis Neuss allein in diesem Jahr mit rund 246 000 Euro.

Um diese Arbeit mit den Anstrengungen auch in den Kommunen weiter zu verzahnen, soll das Integrationszentrum eingerichtet werden. Bis zu fünf Mitarbeiter könnte diese Einrichtung haben, die an keinen Bürostandort gebunden ist. Ein Landeszuschuss ist möglich — und beantragt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: September2012: Jobcenter-Mitarbeiterin in Neuss erstochen

(NGZ/ac/rl)
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