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Neuss: Jetzt kommt die Automeile

Neuss : Jetzt kommt die Automeile

Als "Rollmopsallee" zur Kirmes ist die Hammer Landstraße legendär, den Rest des Jahres ist sie wenig anziehend. Jetzt will die Stadt die Verbindung zwischen City und Rheinpark-Center aufwerten. Das Herzstück: eine Automeile.

BMW und Volvo sind schon da, Toyota, Peugeot und das Gebrauchtwagen-Outlet von LeasePlan ebenso — deshalb gleich von einer "Automeile" zu sprechen, wäre übertrieben.

Foto: woi, Grafik: Stadt/NGZ

Geht es nach dem Masterplan, den Stadtplaner Dieter Blase für Neuss entworfen hat und den die Wirtschaftsförderung vom 8. bis 10. Oktober bei der Gewerbe-Immobilienmesse Expo Real in München präsentieren will, soll sich das ändern: "Die Zeit ist reif für eine echte Automeile an der Hammer Landstraße", sagt Frank Wolters, Leiter des städtischen Amtes für Wirtschaftsförderung.

Im Bereich zwischen Hammer Landstraße und Langemarckstraße, direkt angrenzend an TÜV-Gelände und Kirmesplatz, sieht der Plan mehrere Autohäuser vor. Die Gottfried Schultz-Gruppe — und damit VW — drängt bereits seit längerer Zeit auf einen Umzug an die Hammer Landstraße. Im November 2010 hatte sich der städtische Wirtschaftsausschuss grundsätzlich für einen Umzug des Autohauses von der Römerstraße auf das Gelände der Bezirkssportanlage am Kirmesplatz (VfR-Platz) ausgesprochen. Auch 2009 hatte die Verwaltung das Thema Automeile schon auf die Tagesordnung gesetzt.

Zunächst stand das Okay für Gottfried Schultz noch unter dem Vorbehalt der Ergebnisse des Masterplanverfahrens. Die liegen nun vor — und stören nicht. Im Gegenteil: "Im Vordergrund steht natürlich der Autohandel. Das schließt aber nicht aus, dass sich weitere ,autonahe' Betriebe ansiedeln", sagt Wolters. Reinigung und Wäsche, Zubehör oder passende Gastronomie- und Freizeitnutzungen seien denkbar. Läuft planungsrechtlich alles optimal, könnten die Neusser in drei Jahren auf der Automeile nach einem Wagen Ausschau halten.

Um die Hammer Landstraße nicht nur durch neue Ansiedlungen, sondern als Trasse Richtung Rhein attraktiver zu gestalten, hat Blase ihr im Masterplan Baum-Reihen und einen Fahrradweg verordnet. Damit allerdings bewegt sich dieser Teilbereich des Masterplans in Bereichen, die weit weniger konkret sind als Automeile. "Der Plan enthält auch Ideenskizzen, die ohne Prüfung auf Realisierbarkeit und Kosten aufgenommen wurden. Da wird's visionär", sagt Wolters. Zu sehen sind auf dem Plan nicht nur das seit langem als Vorratsfläche betrachtete Grundstück zwischen Willy-Brandt-Ring und Hammer Landstraße, ein Areal, für das unter dem Arbeitstitel "Hammfeld II" und mit rechtskräftigem B-Plan eine verdichtete, hochwertige Bebauung für Dienstleister vorgesehen ist.

Blase denkt weiter in Richtung Rheinpark. Für das in die Jahre gekommenen Imotex-Hochhaus kann er sich eine "Fassadenrevitalisierung" vorstellen. Schließlich markiere das Gebäude für alle, die über die Frings-Brücke nach Neuss kommen, den Eingang zur Stadt. Um den zu stärken, markiert der Stadtplaner am Fuß der Brücke "Potenzialflächen". Dort könnten zum Beispiel ein Hotel oder ein Dienstleistungsstandort entstehen.

Wer den Rheinpark auf den vorgesehenen Radwegen erobern will, könnte sich, würden Blases Visionen Realität, auf neue Gastronomie freuen. Auf dem Dach des Hochhauses gegenüber des Rheinpark-Centers kann sich der Planer unter dem Stichwort "Palmbeach" einen neuen Treffpunkt mit Blick auf den Rhein vorstellen. Wer weniger hoch hinaus, dafür aber noch näher an den Rhein möchte, könnte an einem Aussichtspunkt und in einem neuen Lokal am Ende der Hammer Landstraße fündig werden.

(NGZ/rl)