Neuss: Jazzsommernacht rund um die Alte Post

Neuss : Jazzsommernacht rund um die Alte Post

Höhepunkt der Jazzreihe "blue in green" war am Freitag die achte "NeusserJazzSommerNacht". Eine Vielzahl an Interpreten boten vor der Alten Post und im Saal des Kulturforums an der Neustraße Jazz in fast allen Variationen.

Philipp van Endert muss eine besondere Beziehung zum Wettergott haben, denn auch die achte "NeusserJazzSommerNacht" rund um das Kulturforum Alte Post war wie alle vorherigen in einen warm-milden Sommerabend gebettet.

Scharen strömten zu dem Highlight der Jazzreihe "blue in green". Schon zum Warmup der wunderbaren Formation "8KLANG" bot das Foyer nicht genügend Platz. Die acht Damen haben sich vor acht Jahren aus dem Jazzchor der Neusser Musikschule zusammengefunden und sind längst kein Geheimtipp mehr. So kam gleich mit dem Dave-Brubeck-Evergreen "Take Five" begeisternde Stimmung auf. Die steigerte sich bis zum Ende, als die Damen mit Zylinder und Brilli auf schwarzen Handschuhen "Diamonds Are a Girl's Best Friend" sangen. Besonders wirkungsvoll die A-capella-Songs, aber auch die von Ralph H. Rotzoll swingvoll am Klavier begleiteten Titel wie "No More Blues" kamen perfekt.

Derweil unterhielt die Neusser Jazzcombo "Why not?!" die Zuhörer auf dem Vorplatz der Alten Post mit Jazzstandards und Soul-Pop.

Zwei höchst musikalische Damen lockten als Duo "Vogical" wieder ins Foyer. Die Philipp van Endert-Schülerin Beate Thiele-Hecker (Gitarre) spielte mit ihrem eigenen Stück "Challanges" ihre Stärken aus, begleitete meist aber zurückhaltend Eva Küppers-Sironic (Gesang), die mal lyrisch rein, mal rauchig vulgär, besonders aber mit der Blues-Ballade "Cry me a River" die Zuhörer auf ihre Seite zog.

Die Neusser Combo "DiJazzTif" hatte zwar im Alte Post-Café volles Haus, zugleich aber auch das unterhaltsamste Publikum. Aufmerksamkeit erregten immerhin originelle Improvisationen von Klaus Theißen (Sax), und Sabine Schmitz (Gesang) traf mit Titel wie "Sunshine of my life" den breiten Publikumsgeschmack.

Jazz auf allerhöchstem Niveau gab es im bis weit nach Mitternacht ausgebuchten Saal des Kulturforums. Dafür standen zunächst "Drei im roten Kreis". Das Trio um den Düsseldorfer Saxofonisten Reiner Witzel spielte Titel aus dem soeben erschienenen Album "NoMansLand", einem fiktiven Roadmovie. Verfolgungsjagden finden als kaprioler Ritt mit rasenden Tempoläufen statt. In die faszinierende Mischung aus Cool Jazz, Bebop und neuesten Einflüssen wird einige Male klanglich überraschende Elektronik zugemischt.

Ausnahmslos selbst schreibt auch das Wuppertaler Quartett "Jazz_lokal" seine oft von Reiseerlebnissen geprägte Musik – mal kammermusikalisch lyrisch ("Lost"), dann zupackend und groovig ("Ammersee").

Mit Extraklasse begeisterte erstmals in Neuss kurz vor Mitternacht das "Tria Lingvo" mit Johannes Lemke (sax), Andrè Nendza (bass) und Christoph Hillmann (dr). Für ihr aktuelles Programm "at its purest" mit phantastischen Ideen und kunstvollen Improvisationen auf sehr hohem Niveau gab es den meisten Beifall.

So wurde "Voyage" zu einer tollen Reise durch die Nacht und nach "Trahishon" mit gewaltigem Drumssolo wollte keiner wirklich nach Hause gehen.

(NGZ)