Jahreswechsel 2017 in Neuss: Silvester wird mit Ritualen gefeiert

Jahreswechsel 2017: Silvester wird mit Ritualen gefeiert

Der Jahreswechsel hat seine eigenen Gesetze. Für die einen muss es Raclette sein, beim anderen steht ein Fondue auf dem Plan. Die NGZ hat sich umgehört wie Neusser feiern.

Silvester müssen Korken knallen und Kracher den Himmel erleuchten. Ein gängiges Ritual, ohne das der Jahreswechsel für viele Menschen nicht denkbar ist. Aber es gibt auch andere Bräuche, die ihren Platz haben. Wie die aussehen können, erzählen einige Neusser, ohne die wiederum die Kultur in der Stadt nicht vollständig wäre.

Hans Ennen-Köffers, Leiter der Alten Post, feiert schon seit vielen Jahren nach dem gleichen Ritus. "Wir laden unsere Mütter ein, machen ein Raclette und dann wird gekniffelt." Sowohl seine Mutter wie auch seine Schwiegermutter leben nicht in Neuss, so dass Ennen-Köffers sich freut, den Jahreswechsel gemeinsam mit ihnen zu verbringen. Dieses Jahr allerdings gibt es eine Änderung. Da die Mutter seine Mannes nicht mehr reisen kann, kommt sie nicht. Dafür kommt einen andere ältere Dame: "Mein Mutter hat sie beim ,Gang durch den Advent' kennengelernt", erzählt Ennen-Köffers und lacht, "seitdem sind sie befreundet."

Kirsten Adamek. Chefin der Galerie "amschatzhaus" in Holzheim, feiert seit Jahren schon mit den Nachbarn. "Wir sind etwa zu zehnt", sagt sie, "machen erst ein Käse-Fondue, und um Mitternacht laufen wir zur Raketenstation, um vom Chillida-Turm aus das Feuerwerk zu sehen." Voraussetzung dafür sei allerdings gutes Wetter...

Karla Zerressen, Projektmanagerin der Langen Foundation und Enkelin der Stiftungsgründerin Marianne Langen, verbringt den Jahreswechsel normalerweise mit der großen Familie im Engadin. "Mit Fleischfondue und Bleigießen", erzählt sie. Nur dieses Mal ist alles anders: "Wir sind nach Sri Lanka eingeladen", sagt sie lachend.

Karla Zerressen. Foto: Woi
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Harald Müller, Leiter des Kulturamts, hat zusammen mit seiner Lebensgefährtin auch ein festes Ritual. Sie reisen. Dieses Jahr geht es nach Nürnberg, wo das Paar Freunde besucht. In anderen Jahren waren es die eigenen Kinder, die das Paar mal nach Berlin, mal nach München führte.

Harald Müller. Foto: F. Krey

Vanessa Schormann, Shakespeare-Expertin und Leiterin des Globe-Education-Programms beim Festival im Globe, ist mit ihrer fünfköpfigen Familie am Ammersee zu Hause und feiert dort mit Mann und drei Kindern nach einem seit Jahren festen Programm. "Wir lassen Wunschpapier fliegen", erzählt sie, "wir machen Raclette und tanzen Walzer." Glückskekse gehören als Deko auf den Tisch, die Sprüche werden vorgelesen - im Gegensatz zu den Wünschen, die per Papier in den Himmel geschickt werden: "Die bleiben geheim." Wunderkerzen, "aber keine Knaller", gehören im Hause Schormann zu Silvester ebenso dazu wie Brettspiele: "Dieses Mal wollen wir es mit Trivial Pursuit versuchen."

Reinar Ortmann, Chefdramaturg und designierter Ein-Jahres-Intendant am RLT, freut sich darauf, dass er das erste Mal, seit er in Neuss ist, Silvester nicht arbeiten muss. "Sonst hatte ich Abenddienst", sagt er, was bedeutete, dass er bis Ende der Silvestervorstellung bleiben musste. Danach ging es entweder zu Kollegen nach Hause, oder er hat selbst eingeladen. Wenn er also überhaupt ein Ritual habe, dann dieses: "Ich lasse es auf mich zukommen", sagt er schmunzelnd. Allerdings muss ein "schönes Essen" schon auf dem Plan stehen: "Ich koche auch gern selbst."

Hamdi Berdid. Foto: Neuss

Hamdi Berdid, Chef des Vereins Kubid und damit auch der erfolgreichen Tanztruppe Side B, kennt es seit 13 Jahren nicht anders, als dass die Zeit von Weihnachten bis Neujahr im großen Kreis verbracht wird. "Wir feiern zwar kein religiöses Weihnachten", sagt der Muslim, "aber ein großes Familienfest." Dazu gehören neben seiner eigenen (noch) vierköpfigen Familie auch die Verwandten aus Berlin, aus den Niederlanden und aus Frankreich - und ein Schokofondue, wie der Neusser lachend ergänzt. Gekocht werde aber vor allem marokkanisch.

(hbm)