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Jahresrückblick 2020: Neuss erlebt den doppelten Lockdown

Rückblick auf wichtige Ereignisse 2020 : Neuss erlebt den doppelten Lockdown

Das Coronavirus prägt das Jahr 2020 in einmaliger Weise. Sogar von einer Epochengrenze ist schon die Rede. Ein Rückblick auf ein Jahr, in dem alles etwas anders war.

Im Februar alarmiert das Näherrücken des Coronavirus die Behörden, am 3. März wird in Neuss der erste Krankheitsfall bekannt. Was das auslöst, ist in der jüngeren Stadtgeschichte ohne Beispiel. Eine Kaskade von Absagen, behördliche Auflagen und gravierende Einschränkungen aber auch die erste Masseninfektion in einem Altenheim folgen – und am 20. März ist die erste Tote zu beklagen, eine 88-jährige Neusserin, infiziert mit einem Angst machenden Virus. Diese Angst vor der Pandemie sucht sich Ventile: Tausende von Anrufen überschwemmen eine rasch eingerichtete Corona-Hotline, und Toilettenpapier wird zur gehamsterten Ware. Das sind nur zwei Beispiele.

Im Jahrbuch Noveasium, das zum vierten Advent in den Buchhandel kommt, spricht Herausgeber Jens Metzdorf erstmals überzeugt von einer Epochengrenze. Denn das Virus lässt kaum Normalität mehr zu. Die Lockerungen, die nach fast zwei Monaten Stillstand des öffentlichen Lebens allmählich möglich werden, werden im Herbst kassiert, als die befürchtete „zweite Welle“ auch über Neuss hereinbricht. Zum Jahresende sind Läden, Freizeiteinrichtungen, Gaststätten aber auch Frisörsalons (wieder) geschlossen. Weihnachten findet statt, aber nur im engsten Familienkreis.

Mit dem ersten Lockdown wird auch der noch gar nicht richtig in Gang gekommene Kommunalwahlkampf eingefroren, als sich die Parteien auf einen Burgfrieden einigen. Als das Ringen wieder beginnt, hat Wahlkampf ein neues Gesicht bekommen: Viel findet in den sozialen Medien statt, einen Haustürwahlkampf gibt es nicht. Das macht es der runderneuerten Truppe der CDU schwer, bekannt zu werden, und trägt wohl mit dazu bei, dass sie im September ihr schlechtestes Kommuanlwahlergebnis einfährt. CDU-Bürgermeisterkandidat Jan-Philipp Büchler unterliegt Amtsinhaber Reiner Breuer (SPD) deutlich, aber auch Landrat Hans-Jürgen Petrauschke (CDU) kann sich erst in der Stichwahl durchsetzen.

Die Neusser reagieren auf die Pandemie – oft empathisch und einfallsreich. Gabenzäune, wo Bedürftige mit Lebensnotwendigem versorgt werden, entstehen, oft inittiert im Schulterschluss von Kirchen, Schützen- und Heimatvereinen. „Neuss vereint“ wiederum heißt eine Initiative der in Not geratenen Wirte, die sich zu ihrer „Rettung“ nicht alleine auf Hilfe von außen verlassen.

Finanzielle Hilfe wird auch vom Rathaus initiiert. Kindergartenbeiträge werden nicht eingezogen, dann ein Schutzschirm für Neusser Betriebe aufgespannt, die von Insolvenz bedroht sind, bevor im Herbst ein Paket geschnürt wird, damit sich die Gastronomie „winterfest“ machen kann. Hilfe gibt es auch für Kulturschaffende und Schausteller – auch wenn der Spezialitätenmarkt als Mini-Kirmes floppt.

Die Vereine, die in der Pandemie unsichtbar zu werden drohen, entwickeln neue Formate. Zum Schützenfesttermin Ende August gibt es neben einer Dankeschön-Aktion unter dem Signet des weinenden Quirinus drei Tage Programm aus dem Schützenstudio – aber nur online. Und auch der Hoppeditz erwacht im November „nur“ digital.

Daneben geht das Leben seinen Gang. Radwege werden fertig, die Schraubenfabrik verschwindet, Kirchen werden renoviert, Pläne entwickelt – und in Gnadental römische Relikte gefunden. Weltkulturerbeniveau, sagen Experten. Gute Nachrichten – zu denen noch die von der Rettung der Galeria Kaufhof kommt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das sind die Bilder des Jahres 2020 aus Neuss