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Jahrbuch Novaesium erinnert an den unbekannten Revolutionär Heinrich Dorrenbach aus Neuss

Jahrbuch „Novaesium“ : Ein unbekannter Revolutionär aus Neuss

Dem Schicksal von Heinrich Dorrenbach ist im Jahrbuch „Novaesium“ der Stadt ein eigener Beitrag gewidmet. Insgesamt 19 Berichte aus Geschichte, Kunst und Kultur umfasst das Buch, das jetzt in den Handel kommt.

Es ist zwar nicht der Nikolaus, der am Freitag die Neusser Buchhandlungen beliefert. Aber wenn dort am Mittag das „Novaesium 2019 – Neusser Jahrbuch für Kunst, Kultur und Geschichte“ ankommt, ist in diesem Werk für viele Neusser „gewiss was Schönes“ – vor allem aber viel Wissenswertes, Neues und Interessantes drin.

So dürfen sich alle Kulturschaffenden über den Beitrag von Isabel Pfeiffer-Poensgen, Landesministerin für Kultur und Wissenschaft, freuen. Denn sie ist voll des Lobes für die Neusser Kulturszene, die so viele Impulse des Landes aufgreife und gekonnt umsetze. „Eine tolle Würdigung und Wertschätzung für das Kulturleben unserer Stadt“, fasst die Kulturdezernentin Christiane Zangs zusammen.

Museumsleiterin Uta Husmeier-Schirlitz, Stadtarchivar Jens Metzdorf und die Kulturdezernentin Christiane Zangs stellten das neue Jahrbuch Novaesium im Rathaus vor. Foto: Woitschützke/Andreas Woitschützke

Viel Neues steckt in den Kapiteln zur Neusser Stadtgeschichte. Vielen dürfte beispielsweise der Name Heinrich Dorrenbach nichts sagen, taucht er doch in keiner Stadtgeschichte auf, wie Archivdirektor  Jens Metzdorf bei der Vorstellung des Jahrbuchs erklärt. Tatsache aber ist, dass der in Neuss geborene Dorrenbach ein führender Revolutionär und Repräsentant der Volksmarinedivision in den Umbrüchen von 1918/1919 war, der sein politisches Engagement wie Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht mit dem Leben bezahlte. „In der DDR wurde er dafür verehrt“, berichtet Metzdorf. Dort wurden nicht nur Schulen nach ihm benannt.

Im Bereich Kunst bildet im Novaesium das Gemälde „Die Achzigjährige“ von Lovis Corinth einen Schwerpunkt. „Es handelt sich um eine großzügige Schenkung“, erklärt Uta Husmeier-Schirlitz, Leiterin des Clemens-Sels-Museums. Ein Geschenk, das für das Museum und für alle, die sich mit dem deutschen Impressionismus befassen, gleich in mehrfacher Hinsicht eine besondere Bedeutung habe.

Die Frage, wie ehemalige römische Standorte oder auch einstige Burgen in und um Neuss heute wieder sichtbar gemacht werden können, hat dagegen für den Bereich Archäologie eine große Bedeutung. Zu beiden Fragen gibt es ausführliche Berichte, die sich nicht zuletzt mit neuen technischen Möglichkeiten der Visualisierung der historisch bedeutenden Standorte auseinandersetzen.

Mit der jüngeren Geschichte und ihren Folgen für die heutigen Generationen beschäftigen sich die Beiträge von Gaby Glassmann-Simons und NGZ-Redakteur Christoph Kleinau. Glassmann-Simons befasst sich einerseits mit dem Werdegang ihrer jüdischen Familie – insbesondere der Flucht ihrer Vaters vor den Nazis. Andererseits berichtet sie von ihren Erlebnissen als Therapeutin mit Überlebenden des Holocausts aber auch mit deren Kindern, die – obwohl erst nach dem Krieg geboren – auch unter dem Trauma ihrer Eltern zu leiden hatten und haben. Wie sich aus einer Gräueltat vor 100 Jahren heute etwas Positives entwickeln konnte, zeigt Kleinau auf. Er berichtet von den Kriegsverbrechen einer Neusser Einheit im Jahr 1914 im belgischen Leuven, mit deren Aufarbeitung erst 100 Jahre später begonnen wurde. Daraus entstand ein Friedensprojekt mit Potenzial für mehr. Vielleicht so viel mehr, das daraus ein neuer Jahrbuch-Bericht entsteht.