Ira Klug von der Polizei im Rhein-Kreis Neuss gibt Sicherheits-Tipps für Frauen

Im Club, auf dem Heimweg oder in der Bahn : Polizei im Rhein-Kreis Neuss gibt Sicherheits-Tipps für Frauen

Kriminalhauptkommissarin Ira Klug gibt Frauen Tipps, wie sie in kritischen Situationen reagieren können und erklärt, warum das Pfefferspray für die Selbstverteidigung nicht gut geeignet ist.

Und plötzlich ist es da, dieses mulmige Gefühl. Es ist dunkel, still, spät und man ist alleine. Vor allem Frauen kennen diese beklemmende Situation gut. Auf dem nächtlichen Fußweg nach Hause, in der menschenleeren S-Bahn oder in verlassenen Parkhäusern.

Die Angst vor tätlichen Angriffen ist bei Frauen in diesen Momenten oft omnipräsent. Hinter diesen, meist anerzogenen oder erlernten, Befürchtungen verbirgt sich oft das Gefühl, körperlich unterlegen und einer drohenden Gefahr hilflos ausgeliefert zu sein.

Ira Klug kennt diese Sorgen gut – und weiß, wie man sie bekämpfen kann, damit Frauen sich sicherer fühlen. Die Kriminalhauptkommissarin von der Polizei im Rhein-Kreis Neuss, gibt regelmäßig Informationsveranstaltungen zu dem Thema – unter dem Motto „Ich will kein Opfer sein!“ In den zweieinhalb Stunden gibt die Expertin unter anderem Ratschläge, wie sich Frauen in Momenten, in denen sie sich bedrängt fühlen, verhalten können, wie sie bereits präventiv das Sicherheitsgefühl stärken und welche Beratungsstellen es gibt, die Hilfe anbieten. Ihren Vortrag hält sie für Schülerinnen ab 14 Jahren, Ira Klug besucht bei Bedarf aber auch Firmen oder Vereine. Aber welche Tipps gibt Ira Klug den Frauen mit auf den Weg? Einige Beispiele:


Der Fußweg In einsamen Gegenden sollte man sich nicht auf ein Gespräch einlassen, wenn man angesprochen wird, sondern zügig und selbstbewusst das nächste beleuchtete Haus ansteuern. Bei einer vermuteten Verfolgung sollten Frauen die Straße in einem 90-Grad-Winkel kreuzen und sich nicht scheuen, an einem Gebäude zu läuten oder die 110 zu wählen. Zudem wird dazu geraten, die Nähe von Menschenmengen zu suchen oder Frauen anzusprechen, die in dieselbe Richtung müssen. Dann kann man den Weg gemeinsam fortsetzen.

Die S-Bahn Aufgrund der eingeschränkten Fluchtmöglichkeiten fühlen sich Frauen in S-Bahnen oft besonders unwohl. Wichtige Tipps: Immer im vorderen Waggon einsteigen, damit im Notfall leichter Kontakt zum Fahrer hergestellt werden kann. Im Ernstfall kann der Zug gestoppt werden. Zudem sollte man sich nicht ans Fenster setzen, weil man dort zum Beispiel von mehreren Männern eingekesselt werden könnte. Für das Sicherheitsgefühl ist es zudem ratsam, sich dort hinzusetzen, wo andere Frauen oder Familien sind.

Der Bekannte „Die meisten sexuellen Übergriffe passieren im näheren Umfeld. Das heißt, dass Täter und Opfer sich kennen“, sagt Ira Klug. Wenn man von einem Bekannten, zum Beispiel auf dem Beifahrersitz, bedrängt wird, sei es unter anderem wichtig, zum Beispiel mit einem lauten „Stop“ und seiner Mimik und Gestik eindeutig zu signalisieren, dass man das nicht möchte.

Die eigene Wohnung Sollte es in den eigenen vier Wänden zu Übergriffen kommen, rät Ira Klug dazu, gläserne Objekte, zum Beispiel einen Aschenbecher, aus dem Fenster zu werfen und laut „Feuer“ zu rufen. Der Grund regt durchaus zum Nachdenken an: Denn durch das angebliche Feuer fürchten Nachbarn um ihre eigene Sicherheit und reagieren schneller.

K.O.-Tropfen Das eigene Glas nicht unbeaufsichtigt stehen lassen und vor dem Gang zur Tanzfläche oder zur Toilette austrinken Bei plötzlicher Übelkeit, Schwindel oder Unwohlsein Freunde und/oder das Personal ansprechen. Nur mit Freunden oder Vertrauenspersonen den Ort verlassen, nie mit Fremden!

Hilfsmittel Der Markt bietet allerhand Möglichkeiten, sich mit vermeintlichen Helfern auszustatten, mit denen man sich zur Wehr setzen kann. Doch nicht alle sind dafür geeignet. Die Polizei rät zum Beispiel vom Pfefferspray ab. Ein Problem: Der Täter könnte dem Opfer das Spray aus den Händen reißen. Geeigneter seien hingegen Mittel zur akustischen Abschreckung – zum Beispiel eine Trillerpfeife oder ein Schrill-Alarm. Für den sicheren Nachhause-Weg wirbt die Polizei für die App „Wayguard“. Dort besteht die Möglichkeit, sich per GPS begleiten zu lassen. Wenn die betroffene Person oder einer der Begleiter einen Notruf absetzt, wird direkt eine Sprachverbindung mit der Leitstelle hergestellt. 

Seit 30 Jahren ist Ira Klug bereits im Dienst, hat unter anderem zahlreiche Fälle über Sexualdelikte an Kindern bearbeitet. Seit vier Jahren ist sie in der Kriminalprävention tätig und leitet den Fachbereich „Gewalt an Frauen und Kinder“. Sie besucht auch Kindergärten und macht Elternabende zum Thema „Wie schütze ich mein Kind vor sexuellem Missbrauch?“. Zudem begleitet sie kreisweit den Themenbereich „Opferschutz“.

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