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Neuss: Intimer Kenner der rheinischen Seele

Neuss : Intimer Kenner der rheinischen Seele

Zum Tod von Bert Pütz. Der langjährige Leiter der NGZ-Redaktion schlief im Alter von 77 Jahren friedlich ein. Er schrieb über die Menschen, über die rheinische Heimat und die Eifel und er gründete einen Verein zu Ehren von St. Quirin.

Die Familie und enge Freunde hatten Abschied genommen. Sie wussten, der Tag der endgültigen Nachricht ist nahe. Der Kampf gegen den Krebs war längst verloren. So waren sie vorbereitet und doch bis ins Mark getroffen als es hieß: Bert Pütz ist tot. Am späten Dienstagnachmittag ist er friedlich in seinem geliebten Haus in Schlicherum im Kreis seiner Familie eingeschlafen. Am 15. Juni wäre der langjährige NGZ-Redaktionleiter 78 Jahre alt geworden; 43 Jahre hatte er im NGZ-Pressehaus gearbeitet.

Bert Pütz stammt aus dem kleinen Ort Welz im Jülicher Land. Der Beruf führte den gelernten Schiftsetzer nach Neuss, wo er im technischen Betrieb des Pressehauses, das damals noch an der Niederstraße stand, eine Anstellung fand. Das war in den 1950er Jahren. Sein großes Interesse an historischen Objekten und geschichtlichen Zusammenhängen blieb auch den Redakteuren nicht verborgen, die ihn als freien Mitarbeiter für die Berichterstattung gewannen. Dem ersten folgte bald der zweite Schritt: Er wechselte von der Technik - damals wurde die Zeitung noch im Bleisatz produziert - in die Redaktion, wo er sich schnell großes Ansehen erwarb - bei den Kollegen, bei den Lesern und auch bei all' jenen, über die er schrieb. Bert Pütz berichtete aus dem gesamten Kreisgebiet, vor allem aber aus Dormagen und Kaarst. Ihm wurde weitere publizistische Verantwortung übertragen. Zunächst als stellvertretender Redaktionsleiter, später führte er als Chef das Redaktionsteam von 1985 bis 1997.

Der Neuß-Grevenbroicher Zeitung gab Bert Pütz Gesicht und Gewicht, lebte Halt und Haltung vor. Er verstand Pressefreiheit nicht als Privileg der Journalisten, sondern sie war für ihn "unverzichtbar, weil sie konstituierend für die Demokratie" ist. Pressefreiheit war für ihn ein Bürgerrecht, das er mit seinem Team stellvertretend für die Bürger wahrnahm - und mit diesem, ihm anvertrauten Gut ging er sehr behutsam um. Sein abgewogenes Urteil stand am Ende der sorgsamen Recherche. Bert Pütz verteidigte die Meinungsfreiheit und den Schutz der Persönlichkeit derer, über die berichtet wurde. So verbindlich Bert Pütz im Gespräch war, so tolerant er die kleinen Schwächen der Mächtigen und der Kollegen belächelte, so konsequent und unerschrocken war diese leise Persönlichkeit aber in Grundsatzfragen: "Das lasse ich nicht durchgehen!" Diese Haltung brachte der ehemalige NGZ-Verlagsleiter Alfons Kranz bei der Verabschiedung von Bert Pütz auf den Punkt: "Sie waren das Gewissen der Redaktion."

Bert Pütz wusste bis zuletzt nicht, wie es um ihn stand. Bei einem Herzinfarkt vor Jahren büßte er Realitätssinn und Wahrnehmungsvermögen ein. Aber er blieb bis zuletzt der bescheidene Menschenfreund, der er immer war; immer um den anderen mehr als um sich selbst besorgt. "Pass' auf Dich auf", sagte er zum Abschied beim letzten Besuch. Patronus noster, Quirinus.

(NGZ)