Interview: "ISR Neuss ist ohne Subventionen wirtschaftlich gesund"

Internationale Schule Neuss : „ISR: Wirtschaftlich, ohne Subventionen“

Die Chefs von Beirat und Geschäftsführung der Internationalen Schule über Schülerzahlen und Einzugsgebiete.

Herr Fuchs, Herr Soliman, die „International School of Düsseldorf“ mit Sitz in Kaiserswerth – kurz ISD – ist als Bildungseinrichtung seit 50 Jahren eine Institution in der ganzen Region. Nun macht ihre Finanzierung negative Schlagzeilen. Wie wirken sich die öffentlichen ISD-Turbulenzen auf die „International School on the Rhine“ – kurz ISR – in Neuss aus?

Wilhelm Fuch Wir bedauern die Entwicklung an der ISD zutiefst. Auch wenn wir weder personell, noch wirtschaftlich, noch pädagogisch-akademisch gemeinsame Schnittmengen haben, so sorgt uns, was wir über und von unserer rechtsrheinischen Nachbarschule hören. Es ist für alle Internationalen Schulen nicht gut, wenn eine von ihnen in eine so schwierige Situation gerät.
Peter Soliman Wir haben der ISD unsere nachbarschaftliche Hilfe – in welcher Form auch immer – angeboten. Unmittelbare Auswirkungen der Düsseldorfer Ereignisse auf unsere Neusser ISR sehe ich nicht. Wir sind zwei völlig eigenständige, unabhängig voneinander operierende Bildungseinrichtungen.

Beirat Wilhelm Fuchs und Geschäftsführer Peter Soliman von der ISR. Foto: Woitschuetzke,Andreas (woi)

Die Schülerzahl an der Neusser ISR steigt beständig und liegt aktuell bei 842. Als Sie, Herr Soliman, die ISR nach ihrer Insolvenz im Januar 2014 übernahmen, besuchten nur 485 Kinder die Schule. In Düsseldorf waren es damals hingegen 1200, heute sind es dort noch 950. Sie führen den großen Zulauf für die ISR nicht auf die schwächelnde ISD zurück?

Soliman Dafür gibt es keinen Anhaltspunkt. Im Gegenteil. Ich kann im laufenden Schulbetrieb nicht erkennen, dass bisherige ISD-Schüler zu uns wechseln. Ob es bei den Eltern, die ihre Töchter oder Söhne neu auf einer internationalen Schule anmelden, eine Tendenz gibt, sich unsere ISR genauer anzusehen und die sich bei Gefallen dann für den Standort Neuss entscheiden, weiß ich nicht. Richtig ist, dass wir erkennbar mehr Anmeldungen von Kindern aus Düsseldorf registrieren.

Mit Blick auf Ihre Düsseldorfer Nachbarschule äußern Sie sich sehr zurückhaltend. Sie sehen sich nicht im Wettbewerb in einem umkämpften Markt?

Soliman Die Nachfrage nach Plätzen in einer Internationalen Schule ist im Großraum Düsseldorf/Neuss so groß, dass Platz für zwei Schulen ist. Der Markt benötigt beide. Die ISD und die ISR.
Fuchs Ein Unterschied wird deutlich, wenn wir die Verweildauer analysieren. Während ein Schüler der ISD durchschnittlich rund drei Jahre die Schule in Kaiserswerth besucht, bleibt er bei uns überwiegend acht Jahre. Das heißt, auch die ausländischen Familien, deren Kinder zur ISR kommen, sind besser in die Gesellschaft, zumindest in den Lebensalltag, integriert. ISR-Familien benötigen weniger außerschulische Hilfestellungen.

Richtig bleibt aber doch, dass die Neusser ISR sich auch in Düsseldorf einen Namen machen will. Ihre Marketingaktivitäten – bis hin zur Teilnahme am Rosenmontagszug – belegen das.

Soliman Natürlich gehört die Landeshauptstadt zu unserem Einzugsgebiet. Es ist auch kein Geheimnis, dass wir sehr genau prüfen, ob eine Erweiterung unseres Angebotes – vielleicht auch in Form einer Dependance – für die Zukunftsfähigkeit unserer ISR richtig ist. Aber konkret ist da derzeit nichts.

Fakt ist, dass die ISD jährlich vier Millionen Euro vom Land erhält, weil sie in den Klassen eins bis zehn als Ersatzschule anerkannt ist. Die ISR ist eine reine Ergänzungsschule und erhält daher keine öffentlichen Gelder. Können Sie die ISR dennoch wirtschaftlich führen?

Soliman Ja. Nebenbei bemerkt. Unsere Gebühren fangen bei 11.000 Euro pro Jahr an und nur in den letzten drei Schuljahrgängen liegen wir bei 17.000 Euro – also im Schnitt mit 3500 Euro pro Jahr unter dem ISD-Niveau.
Fuchs Mit Peter Soliman – und seinem Team – hat die ISR einen Chef, der aus der Unternehmensberatung kommt und ganz viel von Qualitäts- und Kostenmanagement versteht. Vielleicht gehen wir Menschen ja mit eigenem Geld auch kostenbewusster um als mit fremden Geld. Auf der anderen Seite weiß Peter Soliman ganz genau, wann und wo er investieren muss, um den nächsten Schritt zu tun, die Qualität zu erhalten, besser noch zu steigern. Außerdem ist Peter Soliman ein Marketingprofi. Wir beweisen mit ihm an der Spitze, dass so eine Internationale Schule wirtschaftlich zu führen ist und dabei noch die besten Abschlussnoten ermöglicht, mit denen unsere Absolventen die besten Universitäten der Welt besuchen können. Peter Soliman und sein Team bringen die Kompetenzen mit, die uns im ersten Versuch in Neuss fehlten und der dann auch scheiterte. Heute sind wir wirtschaftlich gesund und das ohne Subventionen.

Wagen Sie eine Prognose? Wohin wird der Weg die Neusser ISR in Zukunft noch führen?

Fuchs Es läuft hervorragend. Die Tendenz spricht für den Standort Neuss. 842 Schüler sind eine tolle Schülerzahl, aber bestimmt noch nicht das letzte Wort.
Soliman Aber es bleibt dabei, was ich immer gesagt habe: Unsere ISR wird nicht mehr als 1000, vielleicht auch 1050 Schüler, aufnehmen, weil sonst der persönliche Kontakt nicht mehr möglich ist. Mir sind Überschaubarkeit und Massstäblichkeit wichtig. Es wird mit mir keine ISR-Schülerschaft von 1200 oder auch nur 1100 Kindern geben.