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Neuss: Inspiriert vom Falterflug

Neuss : Inspiriert vom Falterflug

Kristina Buch aus Neuss stellt noch bis Ende der Woche auf der documenta in Kassel aus. Mit ihren 29 Jahren ist die Studentin der Düsseldorfer Kunstakademie die jüngste Teilnehmerin der Ausstellung für zeitgenössische Kunst.

Neuss/Kassel 100 Quadratmeter Unkraut und verwelkte Pflanzen stören die strenge, französische Architektur des Friedrichsplatzes. "The Lover" durchbricht die Ordnung. Bis zum Wochenende, wenn die weltgrößte Ausstellung für zeitgenössische Kunst, documenta, in Kassel schließt, werden hunderttausende Besucher diesen Störer, die Freiluftinstallation der Künstlerin Kristina Buch aus Neuss wahrgenommen haben.

180 speziell ausgesuchte Pflanzen, die besonders als Futter- oder Brutstellen bei heimischen Tagfaltern beliebt sind, wachsen in Kristina Buchs Garten. Täglich lässt sie dort neue Schmetterlinge frei — über den Zeitraum der 13. documenta insgesamt 3000 Stück.

Bei ihrem Garten handelt es sich "um eine hypernatürliche Ansammlung von Pflanzen. In der Natur würden sie nie in dieser zusammengeballten Form zu finden sein", sagt die 29-Jährige. Inzwischen sind die meisten von ihnen trotz intensiver Pflege verblüht und verwelkt. So provoziert ihre Installation auf der einen Seite Kopfschütteln, bei anderen Betrachtern regt sie die Sinne an. Hinter Brennnesseln und Disteln wird dann nach Faltern gesucht. "Es gibt ganz unterschiedliche Reaktionen der Betrachter. Viele Besucher kommen mit einer antrainierten Erwartung, die dann häufig nicht erfüllt wird", erläutert sie. Besonders wenn die Ausstellungsbesucher einmal keine Schmetterlinge finden, ist die Enttäuschung groß. Doch dies sei auch Teil der Arbeit.

Jede Nacht gießt Kristina Buch ihren Garten, jeden Tag setzt sie neue Schmetterlinge aus. Einige bleiben, viele fliegen davon. "Diese Unberechenbarkeit ist ein wichtiger Teil der Installation. Es herrscht eine ständige Ungewissheit, wann Falter zu sehen sind", erklärt sie.

Es gibt kein Netz, keinen Käfig. "Ich kann die Schmetterlinge nicht festhalten oder kontrollieren", macht sie deutlich. Einige Meter weiter in der documenta-Halle füllt Kristina Buchs Arbeit zusätzlich einen Schaukasten. Jeden Tag drapiert sie darin Kokons der frisch entpuppten Falter auf. Die Metamorphose von der Raupe bis hin zum Schmetterling hat die studierte Biologin inspiriert. "Der Ursprung der Arbeit liegt sicherlich darin, dass ich vom Flug des Falters berührt war", sagt Buch. Kristina Buchs Installation hat etwas Flüchtiges, sie lässt den Faltern Freiraum. In der nahen Karlsaue finden die Schmetterlinge einen neuen Lebensraum. So werden Teile der Arbeit von Kristina Buch erhalten. Selbst dann, wenn die Vergänglichkeit ihres Gartens noch so augenscheinlich wird, die documenta endet und sie ihren Abschluss an der Kunstakademie absolviert.

(NGZ)