Innenminister Herbert Reul startet in Neuss Aktion gegen Handy-Verstöße

Innenminister beim Kampagnenstart in Neuss : Polizei-Kontrollen gegen Handy-Nutzung am Steuer

3600 Handy-Verstöße registrierte die Polizei im vergangenen Jahr alleine im Rhein-Kreis Neuss, begangen am Steuer eines Autos oder im Fahrradsattel.

3600 Handy-Verstöße registrierte die Polizei im vergangenen Jahr alleine im Rhein-Kreis, begangen am Steuer eines Autos oder im Fahrradsattel. Nach 14 besonders schweren Unfällen wurde 2018 das Handy nach Angaben von Wolfgang Zillekens, dem Leiter der Direktion Verkehr, als mögliches Beweisstück beschlagnahmt. Weil der Verdacht bestand, dass der Fahrer durch sein Handy abgelenkt war, als er den Unfall verursachte. Diese Situation im Rhein-Kreis ist keine Ausnahme, sondern bestärkt landesweit eher noch die Regel. Deswegen ging die Polizei im Land am Mittwoch mit Schwerpunktkontrollen gegen Handy-Missbrauch vor – und hatte bis zur Mittagspause kreisweit exakt 17 Mal Anlass, Anzeige zu erstatten. Eine Gesamtbilanz der Aktion kündigt die Polizei für Donnerstag an.

„Etwa die Hälfte aller Autofahrer benutzt das Mobiltelefon während der Fahrt ohne Freisprecheinrichtung“, rechnete Landes-Innenminister Herbert Reul vor, der am Morgen an der Kontrollstelle Batteriestraße in Neuss die landesweite Aktion vorstellte und auf die Gefahren von Handynutzung während der Fahrt und andere Ablenkungen hinwies. Jeder vierte Autofahrer würde sein Navigationsgerät während der Fahrt bedienen, jeder sechste Textnachrichten verfassen, sagte der Minister. Ergebnis: „Mehr als die Hälfte der Verkehrsunfälle  steht im Zusammenhang mit Ablenkung im weitesten Sinne.“ Sie zu bekämpfen und Verstöße zu ahnden, sei deshalb zurecht ein Schwerpunkt bei der Unfallbekämpfung, so Reul.

Im Rhein-Kreis sind derartige Kontrollen schon Praxis, berichtet Diane Drawe von der Kreis-Polizei. Ihre Behörde setzte im Rahmen des Kontrolltages überall im Kreis Zweier-Teams ein, und baute an der Batteriestraße eine mit 16 Beamten eingerichtete Kontrollstelle ein. Beamte in Zivil wurden in Höhe der Kreuzung Wendersplatz als Beobachter postiert und meldeten Verstöße per Funk an uniformierte Kollegen, die diese Fahrer anhielten. Leugnen war da zwecklos – und in jedem Fall ein Bußgeld von 100 Euro (plus ein Punkt in Flensburg) fällig.

Aber um Kasse zu machen, gehe es nicht, sagte Reul bei dieser Gelegenheit. Seine Botschaft: Kein Anruf, keine Nachricht auf dem Handy ist so wichtig, um deswegen ein Unfallrisiko einzugehen. Denn wer beim Blick auf das Display nur zwei Sekunden abgelenkt ist,  legt – bei Tempo 50 – vielleicht entscheidende 30 Meter im Blindflug zurück. Sein Rat und seine Bitte: Während der Fahrt „das Handy in Ruhe lassen“.

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