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Neuss: Inkassobüro macht Kasse

Neuss : Inkassobüro macht Kasse

Neuss Am Bahnhof erleben Falschparker jetzt nicht mehr ein "Blaues" Wunder, sondern ein "Berlinerisches". Denn seit kurzem kontrollieren nicht mehr blau gewandete städtische Politessen die knapp 20 Parkplätze auf der Stichstraße von der Further Straße bis zur Radstation, sondern mit der Firma "Contipark Parkgaragen GmbH" ein Privatunternehmen aus Berlin.

Neuss Am Bahnhof erleben Falschparker jetzt nicht mehr ein "Blaues" Wunder, sondern ein "Berlinerisches". Denn seit kurzem kontrollieren nicht mehr blau gewandete städtische Politessen die knapp 20 Parkplätze auf der Stichstraße von der Further Straße bis zur Radstation, sondern mit der Firma "Contipark Parkgaragen GmbH" ein Privatunternehmen aus Berlin.

Ein Unternehmen, das Verstöße nicht nur sehr viel teurer ahndet als die Stadt bisher an gleicher Stelle, sondern das es auch an deutlichen Worten nicht fehlen lässt. "Eine strafrechtliche Verfolgung bleibt ausdrücklich vorbehalten", schließt drohend die Zahlungsaufforderung, die jetzt die ersten Falschparker hinter dem Scheibenwischer fanden.

"Es hat uns schon geärgert, dass da jetzt von anderen kontrolliert wird", macht Franz Kolbecher, Leiter des Amtes für Verkehrsangelegenheiten, seinem Unmut Luft. Doch eine Handhabe hat die Stadt gegen dieses Vorgehen der Bahn und des von ihr beauftragten Unternehmens nicht.

Immerhin habe man erreichen können, dass eindeutige Regelungen zwischen Stadt und Bahn getroffen wurden und Parker auf die nun drastischeren Folgen ihres Falschparkens aufmerksam gemacht werden. Zum Beispiel durch den Aushang der neuen Geschäftsbedingungen für Parkkunden.

Die verschweigen zum Beispiel nicht, dass jedem, der keinen gültigen Parkschein im Auto auslegt, mindestens der Tageshöchstsatz zuzüglich einer Bearbeitungsgebühr von 20 Euro in Rechnung gestellt wird. Zum Vergleich: Fällt einer städtischen Politesse ein derart säumiger Zahler auf einem öffentlichen Stellplatz auf, stellt sie ein Knöllchen in Höhe von fünf Euro aus.

Michael Baufeld verteidigt die neue Praxis als Schritt nach vorne. "Wir wollen das Parken an Bahnhöfen professionalisieren und verbessern", betont der Sprecher der Deutsche Bahn Service und Stationen GmbH. Jener Bahntochter, die vor gut einem Jahr die DB Bahnpark gründete und dieser bis heute in 100 deutschen Städten Parkplätze in Bahnhofsnähe übertragen hat.

Dieses Tochterunternehmen stellt sicher, dass die Parkplätze sauber sind, dass das Grün geschnitten wird, kurz: dass auf den oft verwahrloste Flächen aufgeräumt wird. Die Betriebsführung selbst wurde vergeben, unter anderem an Contipark, die im Internet mit dem Satz wirbt: "Unser Kerngeschäft ist das Parken."

Die Stadt erfuhr von dieser Privatisierung durch einen lapidaren Anruf. 15 Jahre lang hatte sie auf den Stellplätzen, die zwar auf dem Grund und Boden der Bahn liegen aber öffentlich zugänglich sind, nach dem Rechten gesehen. Einnahmen aus Parkgebühren wurden an den Grundbesitzer abgeführt, erklärt Norbert Jurczyk vom Amt für Verkehrslenkung, die Einnahmen aus Knöllchen der Falschparker blieben bei der Stadt.

Nun kontrolliert die Stadt nur noch, ob die Halteverbotszonen respektiert werden, hält sich ansonsten raus. Man habe darauf gedrängt, dass Contipark-Knöllchen erst verteilt werden, wenn die vereinbarten Markierungen angebracht sind, so Jurzyk. Erste erboste Knöllchen-Opfer zeigen, dass diese Schonzeit nun vorbei ist.

(NGZ)