Initiativkreis will an Autoren erinnern, die Wurzeln in Neuss-Nord haben

Initiativkreis will an Schriftsteller aus der Neusser Nordstadt erinnern: Südliche Furth, Heimat großer Autoren

Josef Ippers, Peter Maiwald, Thea Sternheim, Dieter Wellershoff – namhafte Schriftsteller mit einem deutschlandweit guten Ruf haben eins gemeinsam: Wurzeln auf der Furth. Der Initiativkreis Nordstadt bereitet nun eine Ehrung vor.

Der meinungsfreudige Marcel Reich-Ranicki war begeistert. Für ihn war es „ein Ereignis“ als Peter Maiwald 1984 den Gedichtband „Balladen von Samstag auf Sonntag“ vorlegte. Damit adelte der FAZ-Literaturkritiker einen deutschen Lyriker und Schriftsteller, der damals in Neuss lebte und arbeitete – von den Neussern weitgehend unbemerkt. Das hat sich bis heute nicht geändert. Geblieben ist sein literarisches Werk mit dem 1979 erschienenen Band „Die Leute von der Annostraße“. Mit jenen Gedichten skizziert er den Alltag seiner Nachbarn in der Straße, in der er wohnte: die Annostraße, die in der Nordstadt die Further- mit der Plankstraße verbindet.

Dass mit Peter Maiwald ein Schriftsteller von Rang 15 Jahre in Neuss lebte, gehört allenfalls zu den Fußnoten des Kulturbetriebes in der Stadt. Das möchte Gottfried Scheulen ändern. Er recherchiert und wirbt für den Gedanken, mit einer Plakette an den Schriftsteller zu erinnern. Einen ersten Erfolg kann er verzeichnen. „Meinen Vorschlag hat der Vorstand des Initiativkreises positiv aufgenommen“, sagt Scheulen, der im Verein den Arbeitskreis Geschichte leitet. Auch die Kulturverwaltung hat er über seine Absicht informiert. Doch der Weg bis zu einer öffentlichen Würdigung ist noch weit. Das weiß auch Scheulen. Wäre eine Gedenkplakette am ehemaligen Wohnhaus von Maiwald das Ziel, müsste der oder müssten die Eigentümer zu stimmen. Zustimmen müsste auch der Kulturausschuss der Stadt; bei der Formulierung des Gedenktextes für die Tafel könnte Jens Metzdorf mitwirken, der Leiter des Stadtarchivs.

Peter Maiwald arbeitete und wohnte 15 Jahre in Neuss: von 1970 bis 1985. Foto: Brigitte Friedrich/Friedrich, Brigitte ( bf)

Mit großer Freude sieht Peter Dieter Schnitzler die Aktivitäten seines Nachfolgers im Arbeitskreis. Es sei gut und richtig an große Autoren zu erinnern, die über Wurzeln auf der Furth verfügen. Peter Maiwald zähle dazu, aber auch Dieter Wellershoff, Josef Ippers oder Thea Sternheim.

Josef Ippers wurde 1932 in Neuss geboren, wo er 1989 auch starb. Foto: Andreas Woitschützke/Woitschützke, Andreas (woi)
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Wellershoff ist ein Sohn der Stadt, in der er 1925 geboren wurde. Seine ersten vier Lebensjahre verbrachte er in einem Haus an der Burgunderstraße, in dem seine Eltern lebten. Nach der Geburt seines Bruders zog die Familie nach Grevenbroich. Mit dem Bestseller „Der Liebeswunsch“ schrieb er nach Einschätzung von Marcel Reich-Ranicki sein „Meisterwerk“. Wellershoff verstarb im vergangenen Sommer in Köln. Scheulen hat auf seiner Liste der zu Ehrenden auch Wellershoff notiert. Ihn möchte er ebenso wie Maiwald mit einer Plakette ins Bewusstsein der Neusser Öffentlichkeit holen.

Von Peter Maiwald erschien 1979 in Erstauflage der Gedichtband „Die Leute von der Annostraße“. Das Titelbild zeichnete Dieter Süverkrüp. Als der damals in Neuss lebende Lyriker fünf Jahre später seine „Balladen von Samstag auf Sonntag“ veröffentlichte, nannte der deutsche Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki die Neuerscheinung „ein Ereignis“. Foto: Frank Kirschstein

Nach Auffassung von Schnitzler lohnt es sich auch, mit Josef Ippers und Thea Sternheim zu beschäftigen. Auch sie zählt er zu den bekannten Autoren mit Bezug zur Furth. Josef Ippers, 1932 in Neuss geboren, wo er 1989 auch starb, stieg in den 1970er- und 1980er Jahren in die erste Riege der deutschen Erzähler auf. Thea Sternheim (1883 in Neuss geboren, 1971 in Basel gestorben) war eine Tochter des Unternehmers Georg Bauer (Bauer & Schaurte). Zu ihrem literarischen Nachlass gehören ihre Tagebücher, der Roman „Sackgassen“ sowie ihr Briefwechsel mit dem deutschen Arzt und Dichter Gottfried Benn. „Große Autoren“, sagt Schnitzler, „wir dürfen sie nicht vergessen.“

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