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Neuss: In vierter Generation auf dem Reiter-Thron

Neuss : In vierter Generation auf dem Reiter-Thron

Der 29-jährige Constantin Hoerdemann ist der neue "Hohe Reitersieger". Schon sein Urgroßvater konnte die drei Ringe stechen.

Es war quasi seine "hohe Pflicht", die drei Ringe beim Sieger-Ringstechen als Erster zu ergattern — schließlich gehört Constantin Hoerdemann einer wahren Reitersieger-Dynastie an. Nicht nur sein Urgroßvater Franz Bommers führte 1934 diesen Titel, auch sein Großvater Clemens Hoerdemann holte sich 1959 die entscheidenden Ringe, wie auch 1982 sein Vater Heinrich Hoerdemann.

"Das war gerade vor dieser Familientradition eine riesengroße Freude, als ich mich nach sieben Durchläufen gegen meine Mitbewerber durchsetzen konnte", erzählt der 29-Jährige, dessen Mutter Christiane in zweiter Ehe mit Bürgermeister Herbert Napp verheiratet ist.

Seit 2003 ist Hoerdemann begeistertes Mitglied im Reiterkorps. Er schätzt besonders die vielen Aktivitäten: "Dieses Jahr waren wir mit 25 Reitern im Münsterland unterwegs, das ist einfach eine tolle Sache." Aber auch die lange Geschichte des Reiterkorps, das 1828 gegründet wurde, hat für ihn eine große Bedeutung: "Unsere Mitglieder sind zwischen 18 und 80 Jahren alt, Väter und Söhne führen die Tradition gemeinsam fort. Das Schöne am Reiterkorps ist auch diese fast familiäre Struktur", so Hoerdemann. Der Diplom-Agraringenieur führt nicht nur beim Schützenfest Traditionen fort, auch beruflich setzt er auf Beständigkeit. Seit 2007 hat er den elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb übernommen, der bis 2011 in Jüchen beheimatet war, dann aber der Braunkohle weichen musste.

Inzwischen residiert der Reitersieger zusammen mit seiner Familie in Bedburg-Rath auf Gut Spenrath, wo er sich als Betriebsleiter um die Produktion von Speisemöhren, Industriekartoffeln, Zuckerrüben und Winterweizen kümmert. "Was mich als gebürtigen Neusser natürlich schmerzt, ist, dass ich durch die Umsiedlung nach Bedburg mein Neusser Autokennzeichen verloren habe", sagt Hoerdemann und lacht.

Auch seine Siegerin Johanna Schloeßer muss sich geographisch und kulturell ein wenig umstellen: "Eigentlich bin ich mit dem Kölner Karneval groß geworden, aber ich habe mich sofort richtig wohl beim Neusser Schützenfest gefühlt", so die 20-Jährige, die in Bonn Agrarwissenschaft studiert. "Es war dieses Jahr mein erstes Schützenfest in Neuss, und ich bin begeistert. Mit welcher Freude die Männer durch die Stadt marschieren, egal ob jung oder alt — und welche Geschichten die erzählen! Das macht richtig Spaß", sagt die gebürtige Kölnerin. In gewisser Weise setzt auch sie eine Familientradition fort. Ihr Urgroßonkel, Hans A. Schloeßer war der Reitersieger von 1927. Und auch an dem Sieg ihres Lebenspartners hat sie einen nicht zu unterschätzenden Anteil: "Seit ich zwei Jahre alt war, habe ich auf Pferden gesessen, ich habe selber auch drei Pferde und gerade in der letzten Zeit sind Constantin und ich viel ausgeritten. Da konnte ich ihm noch den ein oder anderen Tipp geben."

Offensichtlich hat es geholfen und so kann sich Constantin Hoerdemann nächstes Jahr noch einen Wunsch erfüllen: "Normalerweise reiten die jüngeren Reiterkorpsmitglieder immer ziemlich weit hinten, aber als Reitersieger darf ich natürlich ganz vorne mitmischen. Das ist auch mal etwas ganz Besonderes."

(NGZ)