Neuss: In Neuss fehlen Plätze im Offenen Ganztag

Neuss : In Neuss fehlen Plätze im Offenen Ganztag

Die Stadt hat einen Bericht zum Offenen Ganztag in Neuss vorgelegt. Der zeigt: Der Andrang auf die OGS steigt, doch Plätze sind knapp.

Wenn Dagmar Mühle, Schulleiterin der Karl-Kreiner-Schule, die Anmeldungen für das kommende Schuljahr durchgeht, muss sie Absagen erteilen — nicht für die Aufnahme an der Grundschule in der Nordstadt, wohl aber für die Betreuung im Offenen Ganztag. "Der Andrang ist zu groß", sagt Mühle. Diesen Trend bestätigt der aktuelle "OGS-Bericht" der Stadt Neuss, bei dem Grundschulen und Träger einen Fragenkatalog ausgefüllt haben, der offenbart, wie es um die Nachmittagsbetreuung an Neusser Schulen bestellt ist.

Der Offene Ganztag an der Karl-Kreiner-Schule ist sehr beliebt. Immer mehr Eltern melden ihre Kinder für die Nachmkttagsbetreuung an. Foto: woi

Darin zeigt sich: Die Anmeldezahlen für den Offenen Ganztag steigen. "Hohe Akzeptanz" vermelden die Schulen, die Kinder kommen gerne, die Teilnahmezahlen nehmen zu. Im Umkehrschluss führt dies dazu, dass der Offene Ganztag aus allen Nähten platzt. "Wir versuchen unser Bestes", sagt Schuleiterin Mühle. So werden an der Karl-Kreiner-Schule auch Klassenräume für den Offenen Ganztag genutzt, Mühle lobt ihr OGS-Team, das "immer versucht, alles möglich zu machen". Das bestätigt auch Petra Buhren vom Trägerverein Sozialdienst Katholischer Frauen.

Der Verband koordiniert nicht nur den Offenen Ganztag an der Karl-Kreiner-Schule, sondern auch die OGS an den Schulen St. Konrad und St. Andreas. Überall zeige sich das gleiche Bild: Hoher Andrang und überfüllte Gruppenräume. Das bestätigen auch andere Träger, etwa Sabine Ramakers vom Verein zur Förderung von Kindern und Jugendlichen (VFKJ). Der Verein ist Träger der OGS an der Pestlozzischule, der Kreuzschule und der St. Stephanus Grundschule.

"Als der Offene Ganztag eingeführt wurde, war das große Interesse an der Nachmittagsbetreuung noch nicht absehbar", sagt Ramakers. Etwa an der Pestalozzischule, wo im Jahr 2004 Platz für drei Gruppen mit 75 Kindern geschaffen wurde. Heute besuchen 160 Schüler der Pestalozzischule die OGS, und die Nachfrage steigt weiter. "Aber die Schmerzgrenze ist längst erreicht" sagt Ramakers.

Die besten Chancen auf einen Platz in der Nachmittagsbetreuung haben Kinder von Eltern, die beide berufstätig sind. Auch Kinder von Alleinerziehenden werden vorrangig aufgenommen. "Außerdem zählen soziale Kriterien", sagt Petra Buhren. Vor allem Kinder mit besonderem Förderbedarf, etwa Schüler mit Migrationshintergrund, sollen in der OGS Unterstützung erfahren. "Der Offene Ganztag ist eine Bildungsschance", sagt Buhren. Und außerdem natürlich ein Ort, um mit Gleichaltrigen zu spielen.

So verwundert es nicht, dass auch Eltern, die auf den Ganztag nicht angewiesen sind, nach OGS-Plätzen fragen — auch, weil die Nachmittagsbetreuung in vielen Kitas schon selbstverständlich ist. "Uns fehlt dafür aber nicht nur der Platz, auch der Fachkräftemangel macht uns zu schaffen", sagt Buhren, die einen höheren Betreuungsschlüssel im Offenen Ganztag fordert. Sabine Ramakers sieht das ähnlich: Die Nachfrage steige, die Bezuschussung sinke. "Die OGS ist ein Erfolgsmodell, aber unterfinanziert", sagt Ramakers — ein Vorwurf, zu dem sich die Stadt gestern nicht äußern wollte.

(NGZ/rl)