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Neuss: In einer WG selbstständiges Leben lernen

Neuss : In einer WG selbstständiges Leben lernen

Für Menschen mit geistiger Behinderung bietet die Lebenshilfe Neuss Wohngemeinschaften an. Bis zu zehn Stunden pro Tag unterstützen Betreuer die Bewohner und helfen ihnen, den Tagesablauf zu organisieren und strukturieren.

Einen Platz, an dem sie sich wohlfühlen kann, an dem sie zu Hause ist, den hat Merle Herber in einer der Wohngemeinschaften der Lebenshilfe Neuss gefunden. Dort bekommt die junge Frau mit geistiger Behinderung die Unterstützung, die sie braucht, um ihren Alltag zu meistern.

Dafür sind Betreuer wie Nicole Kaufer bis zu zehn Stunden vor Ort. Wichtig ist, jeden einzelnen Schützling ganz genau zu kennen. "Damit wir die Bewohner optimal fördern können, ist es wichtig, eine gute Beziehung zu ihnen aufzubauen", erzählt Kaufer. Fördern bedeutet auch, den Behinderten zu helfen, möglichst selbstständig zu leben. Merle Herber hat einen großen Wunsch: Sie möchte es gerne schaffen, ganz alleine mit dem Bus bis in die Innenstadt zu fahren. Das erfordert viel Übung, aber die 30-jährige macht Fortschritte. Für Merle Herber rückt auch der wohl größte Moment in ihrem Leben immer näher: "Im Sommer heirate ich", erzählt sie aufgeregt. Ihren Verlobten hat sie in der Wohngruppe kennengelernt.

Als Herbert Baum 2009 einzog, kamen sich die Zwei schnell näher. Kein Wunder: Nicht nur gemeinsame Hobbys wie Musik hören oder DVDs gucken verbindet sie, sondern auch die Liebe zum Fußball. Ihrem Lieblingsverein haben Merle Herber und ihr Verlobter Herbert den schönsten Platz im gemeinsamen Zimmer gewidmet: Über dem Bett hängt ein riesiges Plakat von Fortuna Düsseldorf und auch die Bettwäsche ist vom Vereinslogo geziert. Für Dinge, wie das Bettenbeziehen, sauber machen oder aufräumen sind die acht Bewohner selbst zuständig. Zusammen mit ihren Betreuern werden einmal im Monat die Gemeinschaftsaufgaben verteilt. Alles, was die Bewohner nicht alleine schaffen, wird von den Betreuern begleitet. Merle Herber war am Morgen schon mit Betreuerin Nicole Kaufer Brötchen holen.

"Deswegen habe ich heute Abend frei", sagt sie und freut sich. Tagsüber gehen die Bewohner arbeiten. Abends können sie ihre Freizeit selbst gestalten. Am Wochenende wird zusammen gekocht. "Merle ist eine begnadete Köchin", erzählt Nicole Kaufer lachend. "Am liebsten esse ich Spaghetti Bolognese", meint Merle und präsentiert stolz die kleine Küche. Neben dem Kochen stehen auch immer wieder gemeinsame Ausflüge auf dem Programm. "Wir waren mal an meinem Geburtstag im Phantasialand", sagt Merle schwärmend. An Geburtstagen ist das gemeinsame Grillen zur Tradition geworden.

Für Merle sind ihre Mitbewohner eine Art zweite Familie. "Hier möchte ich immer bleiben", meint sie. Besonders freut sie sich, dass ihre beste Freundin auch in der Wohngruppe lebt. Momentan ist sie vor allem mit einer Sache beschäftigt: Mit Herbert übt sie das Tanzen — für den Hochzeitstanz. "Er kann das noch nicht so gut", sagt Merle Herber.

(NGZ/rl)