In der Alten Post stellt eine neue Ausstellung fünf Künstler aus Tschechien vor.

Ausstellung in Neuss : Große Kunst aus der Provinz

In der Alten Post stellt eine neue Ausstellung fünf Künstler aus dem tschechischem Ostrawa vor.

Polen ist nicht weit (zehn Kilometer), Slowenien auch nicht (50 Kilometer), aber Prag schon. In der tschechischen Hauptstadt ist Kunst schick, sagt Jan Vytiska, und er muss es wissen. Denn er kommt aus Prag, aber studiert in der Klasse für intermediale Studien bei Jiri Suruvka an der Universität Ostrawa. Ist vor allem ein Maler, der bis ins kleinste Detail die Realität beobachtet, aber seine Motive auch in fantastischen Erzählungen findet. 

v.l.: Martin Froulík, Jan Vytiska, Jiri Suruvka und Barbora Mikudová mit Bildern von Suruvka. Foto: Helga Bittner

Vytiska ist einer von fünf Absolventen Suruvkas, die vor allem mit Bildern eine neue Ausstellung in der Alten Post bestücken. Den Titel „We are not Detroit – Jsme Ostrawa!!!“ (Wir sind nicht Detroit – Wir sind Ostrawa!!!) hat Surovka selbst entwickelt. Wie in seinen eigenen Bildern zeigt der Kunstdozent und Künstler auch in diesem Punkt einen Humor, der seinesgleichen sucht: „Ostrawa besteht aus Abraumhalden und industriellen Räumen“, sagt er trocken und augenzwinkernd. Dinge, die Performer, überhaupt Künstler, schon vor der Wende für sich entdeckt haben. Von den Machthabern wurden sie ignoriert, „weil sie ihnen zu durchgeknallt, zu schräg waren“, ergänzt Klaus Richter, der die Ausstellung kuratiert hat, lachend.

Barbora Mikudová ist fasziniert von Strukturen. Foto: Helga Bittner

Richter und Suruvka kennen einander seit 2002. Damals war der Tscheche in Bad Ems eingeladen, jüngst als Gastkünstler in den Atelierkomplex, in dem auch Richter in Düsseldorf arbeitet. Auch wenn die Neusser Schau nun in erster Linie Malerei zeigt (mit der Ausnahme eines Videos) – Richter ist besonders fasziniert vom intermedialen Studium an der Uni Ostrawa: „Egal, ob es sich um Musik, Performance, Malerei oder Poetik handelt, alles ist in der Klasse zusammengefasst.“

Jiri Suruvkas Bilder stecken voller Humor. Foto: Helga Bittner

Die Videokünstlerin Dagmar Lili Skrivánková, die Maler Barbora Mikudová, Martin Froulík und Jan Vytiska hat Suruvka ausgesucht. „Ich schätze seine Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen und sie zu vernetzten“, sagt Richter. Und wirklich passt eines zum anderen. Denn die jeweilige Handschaft der Künstler ist unverkennbar, es braucht nicht viel, um durch die reich gehängte Ausstellung zu gehen und die Werke zu identifizieren. Mikudová sind Strukturen in der Natur und anderswo wichtig. Sie legt ein am Strand entdecktes Algen-Überbleibsel als eine rot leuchtende Ranke um einen Pfeiler in einem gezeichneten historischen Treppenhaus. Martin Foulík, der als Performer zudem einen aufgeblasenen Schlauch wie eine Wand auf dem Boden des Foyers installiert, erzählt in seinen Bildern Geschichten, denen der Betrachter nachspüren muss. So entdeckt man den ganzen „Prometheus“ erst auf den zweiten Blick.

Martin Froulík baut seine Installation im Foyer der Alten Post auf. An der Wand hängen Bilder (r.) von ihm und Jan Vytsika. Foto: Helga Bittner

Vytiska erweist als Maler des kleinsten Details. Vor allem sichtbar auf seiner Hommage an Picasso und Henry Moore, aber auch in „Hell of the Party“ oder in der Figur des Krampus. Vytiska setzt Legenden und traditionelle Motive auf meisterliche Art in seinen zumeist großformatigen Arbeiten um.

Und Suruvka? Fast zu jedem seiner Bilder kann er eine Geschichte erzählen – und sei es vom Umstand, der eine Flasche Schumacher Alt und ein paar Highheels mit Mondrian-Muster zusammenführt ...

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