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In der alten Post in Neuss: Innovatives Trio mutiert zum Quartett

In der „Alten Post“ in Neuss : Innovatives Trio mutiert zum Quartett

„Tria Lingvo“ bot ein faszinierendes Zusammenspiel mit Mike Walker in der alten Post.

Das „Tria Lingvo“ war schon öfter Gast in der Neusser Jazzreihe „Blue in Green“. Nun gab es ein faszinierendes Zusammentreffen des Trios mit Mike Walker in der alten Post.

Der 56 Jahre alte Mike Walker ist einer der profiliertesten Jazzmusiker seiner Generation. In seiner mittlerweile fast vierzigjährigen Karriere als Gitarrist, Komponist und Dozent in Großbritannien und Europa ist er auch heute noch international auf Tour. Das preisgekrönte „Tria Lingvo“ (Neuer Deutscher Jazzpreis 2014 als höchste Auszeichnung) steht ihm in nichts nach. Der Saxophonist Johannes Lemke (52), André Nendza (51) am Bass und der Drummer Christoph Hillmann (55) blicken ebenfalls auf Jahrzehnte innovativen Jazz zurück und genießen in der deutschen Szene hohes Ansehen.

„North by Northwest“ – unter diesem Motto hatte die australische Jazzerin Maryanne Piper (Artpipes) mit Unterstützung des NRW-Ministeriums für Kultur und Wissenschaft das Trio und Mike Walker zum gemeinsamen Spiel eingeladen. Das Motto meint: Nordrhein-Westfalen trifft die Nordwestregion Englands, denn Mike Walker lebt in Manchester. „Unbeschwert“ war der stimmungsvolle Auftakt..

Diesen seinen Titel begleitete Christoph Hillmann zunächst filigran auf der Garrahand, einer argentinischen Klangschale. Seine Fingerfertigkeit erinnerte an das virtuose Spiel eines Instrumentes. Die ersten Improvisationen – mitreißend Johannes Lemke auf dem Altsaxophon, sehr melodiös verhalten Mike Walker auf seiner Gitarre – zeigten: Das hervorragend eingespielte Trio wird durch Mike Walker kongenial ergänzt und macht sich auf zu neuen Ufern. Natürlich musste dazu auch das Repertoire des Trios für Quartett umgeschrieben werden. Aber vor allem die meisterlichen Improvisationen sorgten für Begeisterung.

André Nendza hatte sichtlich viel Freude daran, wie virtuos Johannes Lemke und Mike Walker mit seiner „Mimesis“ umgingen. In einem gewaltigen Gitarren-Intro mit vielen technischen Spielereien widmete Mike Walker seinen „Clockmaker“ seinem „Vater im Ruhestand“.

In Christoph Hillmanns „dahahib“ mit großer orientalischer Bassimprovisation durfte das Publikum die Melodie singen. Dieses Vorhaben klappte so gut, dass Johannes Lemke den Publikumschor für den nächsten Abend in den „Club Voltaire“ in Frankfurt einlud: „Die Reisemodalitäten können schnell geklärt werden.“

Das Publikum feierte aber lieber im Kulturforum der alten Post weiter mit so balladesken Titeln wie „It’s so neat“ (Johannes Lemke) oder Mike Walkers „Landers Last Stand“, das als Zugabe ein wunderschöner „Rausschmeißer“ war.