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Neuss: Impuls für Jugendarbeit im Barbaraviertel

Neuss : Impuls für Jugendarbeit im Barbaraviertel

Zwar wird es ab Sommer ein Angebot für Jugendliche im Barbaraviertel geben, doch der Träger mahnt das knappe Budget an. Das Angebot werde nur umgeschichtet, ein "Mehr" sei es nicht. Das mobile Projekt "Haus on tour" stirbt dafür.

Das Barbaraviertel wird eine feste Anlaufstelle für Jugendliche bekommen. Statt des mobilen Wagens des Vereins Offene Tür ("Haus on tour") wird die ehemalige Hausmeisterwohnung der Barbaraschule zu einer Jugendeinrichtung umgebaut. Dorthin sollen die etwa 400 bis 500 Jugendlichen aus dem Stadtteil, an die sich das Angebot richtet, ab Sommer kommen können. Träger wird — so wird es der Stadtrat voraussichtlich bei seiner Sitzung am 19. April beschließen — ebenfalls der Verein Offene Tür sein.

Das Budget für das Angebot wird laut Jugendamtsleiter Markus Hübner exakt mit der gleichen Höhe veranschlagt, wie bislang für das mobile Angebot "Haus on tour" (HOT): 22 615 Euro pro Jahr plus einmalig 5000 Euro für die Einrichtung. HOT würde damit aber eingestellt werden. Vor sieben Jahren hatte das noch anders geklungen. Damals schrieb die Verwaltung an den Integrationsrat, dass das "Haus on Tour" im Barbaraviertel allein "bei weitem nicht" ausreiche.

Der Vereinsvorstand Albert Wunsch begrüßt zwar, dass die langjährige Arbeit im Barbaraviertel fortgesetzt werden kann, da sein Verein den Zuschlag bekommen hat. Der Finanzrahmen macht ihm allerdings Sorgen. "Die Stadt will mehr Leistung für das gleiche Geld", sagt Wunsch. Für ihn und sein Team sei nicht nachvollziehbar gewesen, wie mit der veranschlagtem Summe die von der Verwaltung ursprünglich angedachten Ziele — eine halbe Fachkraftstelle und mindestens 15 Stunden Öffnungszeit — erreicht werden sollten.

Auch der Mitbewerber, die Caritas, legte ein Konzept vor, das Wunschs Kritik in Bezug auf die Mittel stützte. Die Verwaltung lenkte ein und geht nun von einer Fachkraft mit sieben Stunden pro Woche aus, die die Honorarkräfte anleiten soll. Doch geeignetes Personal zu finden, ist nicht leicht: "Wir hoffen, dass das zügig klappt", sagt Wunsch. Denn "HOT" sei in erster Linie von Honorarkräften und Studenten getragen worden. Das müsste bei dem stationären Angebot wegen des knappen Budgets ähnlich sein. Gerade in dem Problemstadtteil ist das laut Wunsch aber eine Herausforderung: "Vor Ort ist das knallharte Sozialarbeit", sagt er.

Das sieht auch Rebecca Schuh so. Die Leiterin der Neusser Tafel kennt den Ortsteil gut. "Hier müsste noch viel mehr gemacht werden", sagt sie. Bei einer Einrichtung dürfe es nicht bleiben. "Das klingt für mich außerdem etwas nach Provisorium", meint Schuh. Auch die jugendpolitische Sprecherin der SPD, Hannelore Staps, ist der Ansicht, dass das neue Angebot nur "ein erster Schritt" sein kann. Zu den Haushaltsberatungen im Herbst müsse unter Umständen bereits über weiteres Geld für die Jugendeinrichtung gesprochen werden.

Wunsch hofft derweil, die Arbeitskräfte des "Hauses der Jugend" zumindest aushilfsweise in der neuen Einrichtung einsetzen zu können. Aber auch das ist finanziell auf Kante genäht: Dem "Haus der Jugend", das bereits 25 000 Euro einsparen muss, werden neben den anderen Jugendeinrichtungen, Greyhound/Pier 1 und der Alten Post, weiter die Mittel gekürzt: Jeweils 11 000 Euro pro Jahr müssen pro Einrichtung eingespart werden.

(NGZ)