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Neuss: Implantat für neues Hörgefühl

Neuss : Implantat für neues Hörgefühl

Seit ihrer Kindheit muss Miriam Müller Hörgeräte tragen, oft hat sie Entzündungen in den Gehörgängen. Ein Implantat, vom Lukaskrankenhaus eingesetzt mit einer neuen OP-Methode, soll Linderung verschaffen.

Miriam Müller hat viel durchgemacht: Als Kind war bei der heute 19-Jährigen eine Gaumenspalte viel zu spät entdeckt worden — dass sie deswegen verengte Gehörgänge hat, und daher sehr schlecht hören kann, war trotz vieler Arztbesuche bis zum fünften Lebensjahr nicht aufgefallen.

Patientin Miriam Müller hat das Titanimplantat bereits bekommen, es sitzt hinter ihrem Ohr (siehe Foto: woi / Grafik: Lukaskrankenhaus

Die junge Frau leidet heute noch unter Problemen beim Sprechen, weil sie in früher Kindheit bestimmte Entwicklungen verpasst hat. Immerhin kann sie durch ihre Hörgeräte aktiv am Leben teilnehmen. Doch wegen ihrer verengten Gehörgänge kommt es durch die Geräte immer wieder zu Entzündungen im Ohr, viele Krankenhausaufenthalte hat Miriam schon hinter sich. Damit soll nun Schluss sein: Das Neusser Lukaskrankenhaus hat bei der jungen Frau zwei neuartige Implantate eingesetzt, die ihre beiden Hörgeräte im Gehörgang überflüssig machen.

Knochenverankertes Hören

Die Implantate, eingesetzt hinter beiden Ohren, ermöglichen das so genannte knochenverankerte Hören. "Der verstärkte Schall wird direkt über den Knochen ans Innenohr übertragen und nicht, wie beim normalen Hörgerät in den Gehörgang", erläutert Dr. Andreas Neumann, Chefarzt der HNO-Klinik am Lukaskrankenhaus. Das Implantat am Schädelknochen sei notwendig, um für das Hörsystem, das außen am Implantat über eine Schnapp-Kupplung befestigt wird, den Kontakt zum Knochen herzustellen.

Die Methode dieses kochenverankerten Hörsystems gibt es seit einigen Jahren. "Bislang musste dafür allerdings die Haut am Schädel ausgedünnt werden", erzählt Dr. Neumann. Das habe die Kopfhaut der Patienten sehr empfindlich gemacht. Miriam Müller profitierte am Lukaskrankenhaus von einer neuen OP-Technik, bei der ein kleiner Schnitt hinter dem Ohr ausreicht, um den Titanpfosten in den Knochen zu implantieren.

Zwölf Millimeter misst das Implantat samt Verbindungsstück, bei Miriam Müller müssen die Wunden nun erst einmal sechs Wochen ausheilen. Dann kann sie hinter beiden Ohren das Hörsystem tragen. Trotzdem weiß sie bereits, dass ein ganz neues Hörgefühl auf sie wartet. Mit einem so genannten Knochenleitungsbügel, der aussieht wie ein Haarreif und ähnlich arbeitet wie das Implantat, hat sie das System ausprobiert. "Ich konnte so gut hören wie noch nie", erzählt die 19-Jährige. Der Knochenleitungsbügel hätte bei ihr allerdings schmerzhafte Druckstellen ausgelöst, da er eng am Kopf liegen muss, um gute Ergebnisse zu erzielen. Deswegen beantragte Familie Müller die Implantate. Ein Jahr dauerte es, bis die Krankenkasse der teuren Operation — ein Gerät kostet rund 7000 Euro — zustimmte. Miriam Müller hofft nun darauf, dass ihr Leidensweg vorüber ist. "Ich will endlich normal leben statt immer nur im Krankenhaus zu sein", sagt sie.

(NGZ)