Immobilienpreise in Neuss steigen um durchschnittlich neun Prozent

Immobilienpreise in Neuss : Politik sucht innovative Ideen gegen die Wohnungsnot

Neusser Immobilienpreise werden zum Problem. CDU und SPD machen preisgünstiges Wohnen zum Kernthema der Politik und wollen die Bevölkerung beteiligen.

5860 Wohnungen = 161,4 Hektar Neubauland: Diese Gleichung steht hinter dem Flächenbedarf, den die Stadt mit dem neuen Flächennutzungsplan befriedigen will. Doch der Plan ist das eine, die Lösung der dahinter stehenden Wohnungsnot etwas ganz anderes. Vor allem in einer Stadt, in der jeder zweite Haushalt Anspruch auf einen Wohnberichtigungsschein hat – und in der die Immobilienpreise steigen.

Die großen Parteien scheinen sich der politischen Verantwortung stellen zu wollen. Die CDU organisiert zum Einstieg in ein schwieriges Thema am Mittwoch, 3. April, einen öffentlichen Workshop. Ab 19 Uhr geht es in der Geschäftsstelle am Münsterplatz um „Innovative Wohnideen“ – denn Kreativität ist gefordert. Das weiß auch die SPD im Rhein-Kreis, die schon am Mittwoch, 27. März, im Bürgerhaus Horrem in Dormagen (Knechtstedener Straße) zu einer Podiumsdiskussion einlädt. „Wir brauchen eine Hammer-Lösung, um Wohnungen für viele Menschen anbieten zu können“, betont Andreas Behncke, der Landratskandidat der SPD.

Wer preiswerten Wohnraum schaffen möchte, stößt schnell an eine besondere Grenze: den Grundstückspreis. 400 Euro pro Quadratmeter markieren für den GWN-Vorstand Stefan Zellnig die Preisgrenze, die sich in den Baukosten noch abbilden lässt. In der Praxis aber liegen die Preise oft deutlich darüber.

Um durchschnittlich neun Prozent lagen die Kaufpreise für Alt- und Neubauten von Wohneigentum im vergangenen Jahr über dem Preis von 2017. Das zeigt der Grundstücksmarktbericht 2018, den der Gutachterausschuss der Stadt jetzt vorgestellt hat. Auch die Preise für unbebaute Grundstücke sind gestiegen – aber „nur“ um 6,5 Prozent.

400 Euro pro Quadratmeter werden inzwischen schon für Flächen in mittlerer Lage verlangt, 500 Euro sind in guter Lage inzwischen der Bodenrichtwert. Demnach ist unbebautes Wohnbauland sowohl für Ein- als auch für Mehrfamilienhäuser in einem Jahr um 20 bis 30 Euro pro Quadratmeter teurer geworden. Wegen des geringen Angebots an unbebauten Grundstücken für Geschosswohnungsbau werden dafür sogar zum Teil noch deutlich höhere Preise gezahlt. Bauträger, die trotzdem preiswert bauen wollen, haben nach Darstellung von Alexander Busch von der Neusser Immobilien-Börse nur eine Chance: Grundstücke entwickeln. Das heißt: Als Acker kaufen und in einem langen Verfahren zu Bauland machen.

 Dem Grundstücksmarktbericht liegt nach Auskunft von Sebastian Biela vom Gutachterausschuss die Analyse von 1324 im Vorjahr geschlossenen Kaufverträgen zugrunde. Dabei stellen die Gutachter fest, dass sinkende Zinsen die Nachfrage nach Wohnimmobilien genauso pushen wie die andauernde Wanderungsbewegung der Bevölkerung in Ballungsräume wie Düsseldorf oder Köln. Die hohe Nachfrage nach Immobilien und die erheblichen Preissteigerungen in Düsseldorf würden deshalb, so Biela, zu Verdrängungseffekten führen, die sich in Neuss niederschlagen.

Das „Ergebnis“ sieht dann so aus: Eigentumswohnungen kosten bei Neubauten 3730 Euro pro Quadratmeter, beim Kauf von Bestandsobjekten immerhin noch 2055 Euro.  Ein gebrauchtes Ein- oder Zweifamilienhaus kostete im Schnitt rund 370.000 Euro. Die Nachfrage nach  Mehrfamilienhäusern ist größer als das Angebot. Dies führt ebenfalls zu steigenden Preisen – trotz sinkender Renditen bei Wohnungsmieten.

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