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Neuss: Immer mehr psychisch Kranke

Neuss : Immer mehr psychisch Kranke

Beinahe jeder zehnte Krankheitstag entfällt im Rhein-Kreis auf eine psychische Erkrankung. Das geht aus der Erhebung der AOK für 2010 hervor. Positiv: Die Stadtverwaltung Neuss liegt besser als der Branchenschnitt.

Die gute Nachricht: Der Krankenstand im Rhein-Kreis blieb 2010 mit 5,16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr stabil. Die schlechte Nachricht: Die Fallzahlen psychischer Erkrankungen schnellen weiter ungebremst empor. Die Krankmeldungen stiegen von 6,28 auf 6,80 Prozent je hundert Versicherte im Jahr, die Ausfalltage von 167 auf 178 je hundert Versicherte jährlich. Das bedeutet ein überdurchschnittliches Plus um knapp sieben Prozent und einen Anteil von 9,4 Prozent an allen Arbeitsunfähigkeitstagen.

Das Zahlenwerk veröffentlichte jetzt die Regionaldirektion Neuss der AOK Rheinland/Hamburg. Grundlage der Erhebung zum Krankenstand 2010 bilden dabei die rund eine Million AOK-Versicherten in Beschäftigungsverhältnissen im Rheinland. Dabei liegt die Region Neuss sowohl beim Krankenstand insgesamt (5,16 zur 5,30 Prozent) als auch bei den psychischen Erkrankungen (6,80 zu 6,83 Prozent) besser als die Durchschnittswerte im Rheinland.

Um diesen Trend noch zu verstärken, setzt die AOK auf die Prävention, um arbeitsbedingte Gesundheitsrisiken zu reduzieren. Das sagt zumindest Marion Schröder, Leiterin der Regionaldirektion Neuss: "Nachhaltige Erfolge werden nicht durch einmalige Maßnahmen erreicht, sondern durch ein fundiertes betriebliches Gesundheitsmanagement. So bietet die AOK Neuss ihren Firmenkunden im Zusammenspiel mit der Sparkasse am 10. Mai ein Seminar an (siehe Info-Kasten).

Als "besorgniserregend" empfindet auch Dieter W. Welsink die sprunghafte Zunahme psychischer Erkrankungen. Der Neusser Unternehmer (medicoreha) und Politiker leitet den IHK-Arbeitskreis Gesundheitswirtschaft. "Der Rhein-Kreis ist ein Industriestandort", sagt Welsink, "der den Mitarbeitern Druck und Belastungen aufbürdet." Da sei es wichtig, die Mitarbeiter über Gesundheitsprojekte fit zu erhalten und zu machen. Welsink ist sich sicher: "Das Thema ist in der Wirtschaft angekommen."

"Erfahrungen sind gut"

Das Gesundheitsmanagement hat im Neusser Rathaus zu konkreten Veränderungen und Angeboten geführt: Rückenschulung, Ernährungsberatung, neue Speisen im Betriebsrestaurant und vor allem frühzeitige Gespräche bei Fällen von Mobbing. "Die Erfahrungen sind gut", sagt Dolores Burkert, die den Bereich Personal- und Verwaltungsmanagement bei der Stadt Neuss leitet. Ihre These wird offenbar durch Zahlen untermauert. So ist die Quote der psychischen Erkrankungen im Neusser Rathaus mit 6,04 Prozent unterdurchschnittlich. Positiv fällt auf. Der Branchenschnitt (kommunale Verwaltung) liegt mit 9,6 Prozent deutlich über den Neusser Zahlen.

(NGZ)