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Imker Norbert Meisen hält Bienen auf dem Wasserturm in Neuss

Imker in Neuss : Der „Herr der Bienen“ auf dem Wasserturm

Bis zu 60.000 Bienen werden bis Ende August ihr Zuhause auf dem ehemaligen Wasserturm in Neuss haben. Dort kümmert sich Hobby-Imker Norbert Meisen um die Bienenvölker. Er erklärt gerne, weshalb die Insekten so wichtig für die Umwelt sind – und wie es sich anhört, wenn sie schlechte Laune haben.

Die beiden blauen Kästen stechen sofort ins Auge, wenn man von der Mühlenstraße aus hoch hinauf auf die Stadtmauer am ehemaligen Wasserturm blickt. Dass es in diesen Boxen sehr lebendig zugeht, hört man erst sechs Meter weiter oben. „Hier wohnen in zwei Bienenstöcken jeweils fünf- bis zehntausend Honigbienen – Ende August sind es rund 40- bis 60.000“, berichtet Hobby-Imker Norbert Meisen. Heute surrt es in den Kästen nur leise. „Wenn Bienen schlechte Laune haben, hört es sich an wie eine Turbine, die hochfährt“, so die Erfahrung des Neussers, der am Wochenende nach Fronleichnam den Frühlingshonig der aktuell rund 15.000 Bienen schleudert, die am Wasserturm residieren.

„Von hier oben aus bewegen sie sich in einem Radius von zweieinhalb bis drei Kilometern und finden im Rosengarten reichlich Nahrung. Für die Rosen interessieren sie sich allerdings weniger“, erklärt Meisen, der als Installateur arbeitet und die Imkerei seit 2014 hobbymäßig betreibt. Vielmehr fliegen sie Massentrachten an wie Linden, Akazien oder Kastanien. „Besonders fasziniert mich die Schwarmintelligenz der Bienen“, sagt Meisen.

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Regelmäßig erklärt der 54-Jährige den Kindern in der „Lukita“ am Wasserturm Wissenswertes rund um Honig- und Wildbienen und hat mit ihnen kürzlich ein großes Insektenhotel gebaut. „Wenn ich diesen ganz jungen Menschen erkläre, warum Wildbienen wichtig sind und was wir alle tun können, um ihnen eine Unterkunft zu bieten, damit ihr Bestand nicht noch weiter schwindet, geht mir das Herz auf, sagt Familienvater Meisen, dessen drei Kinder 17, 22 und 24 Jahre alt sind.

Nach einem einjährigen Grundkurs rund ums Imkern hat er mit einem Bienenvolk im heimischen Garten in Gnadental und der Mitgliedschaft im Neusser Imkerverein von 1887 seine Leidenschaft für die Natur und die Bienen zum arbeitsintensiven Hobby gemacht. Mittlerweile betreut er acht Bienenvölker an vier Standorten im Stadtgebiet, die er jeden Sonntag mit seiner roten Ape besucht. In Fortbildungen hat sich der Naturfreund großes Wissen rund um die Nutztiere und um die Honigproduktion angeeignet. „Unten befindet sich die Kinderstube, oben der Honig“, erklärt Meisen, und zeigt auf ein Wabenmodell, mit dem er den Kindern der Kita das Innenleben eines Bienenstocks näherbringt.

Mit der Betreuung der Bewohner der Bienenstöcke auf dem ehemaligen Wasserturm, die die Stadtwerke Neuss als Eigentümer des Gebäudes 2019 dort aufgestellt haben, kombiniert Meisen zwei Leidenschaften – die Liebe zur Natur und zu den Bienen und sein Faible für Neusser Stadtgeschichte. Auf Anfrage veranstaltet er nämlich „kultur-historisch-kulinarische Führungen“ und ermöglicht Besuchern den Zugang zu einem ansonsten geschlossenen Baudenkmal.

Während der Führung geleitet er Besucher zunächst zu den Bienenvölkern an der Stadtmauer, dann auf engen Stiegen hinauf auf 39 Meter Höhe bis zur obersten Etage des erst als Festungs-, später als Windmühlen- und bis 1881 als Wasserturm genutzten Rundbaus. Anschließend erleben die Besucher eine Honig-Verkostung in der Gaststätte „Rheingold“, inklusive „Karotten-Ingwer-Honigsuppe“ und Altbier. Nach Jahrzehnten werde der Wasserturm durch die Bienenzucht und die historischen Führungen nun endlich wieder praktisch genutzt, freut sich Meisen.