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Imker aus Neuss erzählt, was im Winter in einem Bienstock so los ist

Imker in Neuss : Kuscheln, um zu überleben

Auch in der kalten Jahreszeit müssen sich die Imker um ihre Stöcke kümmern und sie regelmäßig kontrollieren.

Tiefschlaf während der Wintermonate im Bienenstock. Von wegen. Auch dann haben die fleißigen Insekten zu tun. Sie kuscheln, und das hat nichts mit Ausruhen zu tun, sondern ist nackte Überlebensstrategie. Die sogenannten Winterbienen, die ab Oktober noch im Stock leben, müssen sich und vor allem ihre Königin am Leben erhalten. 3000 bis 7000 Tiere sind es, die dann noch ihr „Wohnreich“ bevölkern und sich angesichts der kühlen Temperaturen zu einer „Wintertraube“ formieren, und, um Wärme zu erzeugen, mit ihren Brustmuskeln zittern. In ihrer Mitte befindet sich gut geschützt die Königin, die sich füttern und wärmen lässt. „Sie hat sozusagen Vollpension“, sagt Axel Grünewald, Imker aus Leidenschaft und Besitzer von zehn Bienenvölkern auf dem Selikumer Kinderbauernhof (17 sind es insgesamt). Die Königin kann faul sein, denn ihre Arbeit, für Nachwuchs zu sorgen, hat die „Chefin“ längst erledigt. Und das reichlich: 40.000 bis 60.000 Bienen leben im Sommer in einem Stock, wie Grünewald informiert.

Im Februar oder März beginnt die Königin mit der Eiablage, das Bienenvolk wird aufgebaut. „Sie erkennt anhand der Größe der Brutstellen, welches Ei sie ablegen muss, ob für Drohne oder Arbeitsbiene“, erklärt Grünewald. Eine Arbeitsbiene schlüpft nach 21, eine Drohne nach 23 Tagen. Sommerbienen schlüpfen zwischen Frühjahr und Spätsommer. Sie leben in der Regel fünf bis sechs Wochen, während die Winterbienen, die erst im Herbst das Licht des Bienenstocks erblicken, schon ein Alter von zehn Monaten erreichen können. Der Grund: Da die Natur dann keine Nahrung mehr zu bieten hat, leben sie von den Vorräten, die ihre „Sommerkollegen“ herangeschafft haben oder von Futter, dass der Imker hinzufügt, damit das geschrumpfte Volk mit Königin überlebt. Daher muss ein Imker auch regelmäßig in den Wintermonaten kontrollieren, was im Stock so los ist – und Zusatzfutter, wie Zuckerwasser, Sirup oder Futterteig, ein Gemisch aus Puderzucker und Honig verabreichen. Denn auch, wenn die Winter- nicht den ganz so großen Stress haben wie die Sommerbienen, die permanent auf Futtersuche sind, verbrauchen sie viel Energie. Mit ihrem „Zittern“ starten sie in der Regel, wenn die Temperatur im Stock unter zehn Grad fällt. „Sie schaffen es, so viel Wärme zu erzeugen, dass über 30 Grad Celsius in ihrer Behausung herrschen“, erklärt Axel Grünewald. So könnten selbst zweistellige Minusgrade dem Volk nichts anhaben. Innerhalb der Wintertraube tauschen die Tiere übrigens stets ihre Position, damit so alle gleichmäßig warmgehalten werden.

Bienen fliegen im Winter eigentlich nicht. In Wintern mit Temperaturen ab zwölf Grad schon. Dann verlassen sie auch mal ihren Stock für eine kurze „Verdauungsreise“. Hohe Temperaturen im Winter haben aber noch eine andere Folge: Die Tiere fangen zu früh an zu brüten. Gefährlich für die emsigen Tierchen ist die Varroa-Milbe. Dieser Parasit aus Asien, der sich rasant schnell vermehrt, setze sich, erklärt Grünewald, auf die Brust der Arbeitsbienen und springt im Stock auf die Brut über, um diese zu zerstören. „Die Tiere schlüpfen dann zum Beispiel ohne Flügel“, sagt der Imker. Mehrmals im Jahr sei daher eine Behandlung mit organischen Säuren notwendig, damit der Befall nicht zu groß wird und das Volk schließlich eingeht. „Die Imkerei ist ein sehr zeitintensives Hobby“, sagt Axel Grünewald. Er ist Mitglied im Bienenzuchtverein Grevenbroich, der sich einer wachsender Mitgliederzahl erfreut. Deshalb bietet der Verein Einführungstage für Anfänger an, so am 1. Februar. Infos unter kurse@bendbienen.de.