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Im Rosengarten in Neuss mit "Höhenblick" die Sonne genießen

Rosengarten in Neuss : Mit „Höhenblick“ die Sonne genießen

Es gibt in Neuss keinen schöneren Ort, um in der Sonne zu sitzen, als den Rosengarten. Das hat allein schon etwas mit der Topographie zu tun.

Denn in einer Stadt, deren 99,52 Quadratkilometer Fläche ansonsten flach sind wie ein Brett, erlebt man hier tatsächlich eine Anmutung von „Höhenunterschied“. Die alten Wälle der Stadtbefestigung machen es möglich, dass man hier Treppen steigen und im Winter sogar Schlitten fahren kann. Wenn denn mal Schnee liegt – was immer seltener der Fall ist. Geht das mit den steigenden Durchschnittstemperaturen so weiter, kann man an den „Hängen“ unterhalb des Windmühlenturms bald Wein anbauen. Was es im Mittelalter nicht weit von hier ja tatsächlich gegeben hat, wie die Ortsbezeichnung „Im Wingert“ – der Volksmund spricht vom „Mokkaloch“ – nahelegt. Die „Weingartstraße“ kündet noch heute davon...

Doch wir schweifen ab. Eigentlich sitzen wir ja im Rosengarten auf der Bank und genießen den Sonnenschein. Das mit dem Abschweifen hat wohl mit der Höhenlage zu tun, die die Gedanken frei umher wandern lässt. Hand aufs Herz: Wo sonst in Neuss wäre das möglich? Am schönsten ist es im Rosengarten natürlich im Sommer, wenn unter einem zwischen den akkurat gesetzten Buchsbaumhecken die Rosen blühen, die dem Ding ihren Namen gegeben haben. 6000 wie zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts, als Franz Kellermann, der „Vater“ der Neusser Grünanlagen, den Rosengarten im Jugendstil anlegen ließ, sind es zwar nicht mehr. Doch seit der vom Verkehrsverein 1998 vorgenommenen Renovierung sieht das Ganze mit seinen Kaskadenrosen und Rosenbögen und dem dazwischen platzierten Iranlauch wenigstens ein bisschen so aus wie ein Schlosspark en miniature – den wir in Neuss bekanntlich nicht haben, weil sich angesichts des urkundlich verbrieften starken Bürgersinns in dieser Stadt kein König oder Herzog ansiedeln wollte. Und weil wir in Neuss inzwischen auch klimafreundlich denken (und manchmal auch handeln), feierte im vergangenen Sommer eine Blumenwiese am oberen „Hang“ ihre Premiere.

Bis sie und die Rosen in Blüte stehen, dauert es noch ein bisschen. Doch auch jetzt lohnt sich schon ein Abstecher in den Rosengarten. Weil die Sonne, die im Sommer mitunter allzu stark auf die schönen weißen Bänke brennt, derzeit hochwillkommen ist. Weil die noch wenig belaubten Bäume freien Blick ermöglichen, auf das vom Neusser Künstler Georg Lilienthal erbaute Wasserrad im Erftmühlengraben, auf die hoffentlich bald wieder sprudelnden Fontänen nahe der Stadthalle, auf die brütenden Wasservögel in den Weihern und Gräben ringsum. Mitunter, man glaubt es kaum, flitzt sogar ein buntschillernder Eisvogel über den Erftmühlengraben dahin. Wo sonst könnte man in Neuss schöner in der Sonne sitzen als hier?