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Neuss: Im Rheinland verwurzelt

Neuss : Im Rheinland verwurzelt

Der Neusser Kabarettist, Regisseur und Autor Martin Maier-Bode wird künstlerischer Leiter der Berliner Kabarett-Bühne "Distel", die mit seinem Programm "Jenseits von Angela" am Freitag im RLT gastiert

Über Mangel an Arbeit kann sich Martin Maier-Bode ohnehin nicht beklagen. Der Neusser ist als Kabarettist, Regisseur und Autor ein gefragter Mann, reist kreuz und quer durch die Bundesrepublik, wird allerdings in den kommenden Monaten häufiger als bisher auch Berlin ansteuern. Denn ab November übernimmt der bald 43-Jährige die künstlerische Leitung der Berliner Kabarettbühne "Distel".

Herr Maier-Bode, ist die neue Aufgabe nur Lust oder auch Last?

Martin Maier-Bode Sie ist vor allem eine große Ehre, denn die Distel ist das größte Ensemble-Kabarett in Deutschland mit einem großen Haus, das jeden Abend mit 430 Besuchern gefüllt werden muss. Die Distel hat für eine Kabarettbühne untypisch viele Plätze — zum Vergleich: Das Kom(m)ödchen in Düsseldorf hat 200. Die Distel hat fast die Größe eines kleinen Stadttheaters und zwei Gruppen, die parallel spielen, so dass man im Jahr an die 100 000 Zuschauer bespielt. Das ist schon eine große Verantwortung für mich.

Wie ist die Distel auf Sie gekommen?

Maier-Bode Das Ganze ist so gestartet, dass es nach dem Weggang des letzten künstlerischen Leiters — das war Frank Lüddeke — keinen Nachfolger gab. Ich habe dann das erste Anschlussprogramm als Regisseur und Headwriter gemacht: "Jenseits von Angela". Das Stück ist wahnsinnig gut angenommen worden und sehr erfolgreich gelaufen, was vor allem deswegen so wichtig war, weil die Distel in der Zeit vorher einen Zuschauerrückgang von 20 Prozent verkraften musste. Ich selbst finde aber auch, es funktioniert sehr gut (lacht). Es geht davon aus, dass Angela Merkel einfach abhaut, die Regierung kopflos ist und nicht mehr weiß, was sie tun soll.

Das gab den Ausschlag?

Maier-Bode Ja, und danach haben wir überlegt, wie das nächste Programm aussehen müsste. Der Mauerfall vor 20 Jahren bot sich dafür gerade in Berlin an, und so habe ich auch dafür das Headwriting übernommen, aber schließlich aus reinen Zeitgründen 70 Prozent selbst geschrieben. Es musste nämlich innerhalb weniger Wochen auf die Beine gestellt werden. "Staatsratsvorsitzende küsst man nicht" heißt es und läuft auch wie Bolle. Die Vorstellungen sind ständig ausverkauft. Sogar der Bundespräsident war da.

Was ist das Geheimnis des Erfolges gleich beider Programme?

Maier-Bode Ich glaube, dass wir eine gute Mixtur zwischen Revuecharakter und Kabarett hinbekommen haben. Wir nutzen das musikalische Element, um zu zeigen, wie viel Kabarett machen kann.

Da dürfte Ihnen geholfen haben, dass Sie auch schon skurrile Theaterstücke wie Ingrid Lausunds "Konfetti" am RLT inszeniert haben.

Maier-Bode Auf jeden Fall. Ich habe auch Revuen und Preisverleihungen inszeniert, so dass ich den Vorteil habe, nicht nur Standup-Kabarettist zu sein, der alles alleine macht, sondern auch spielerische Elemente einzusetzen weiß. Für mich es wichtig, dass die Zuschauer nachdenken, aber auch mit einem Lächeln auf den Lippen das Haus verlassen und sagen: Das war ein Abend, der alle Sinne angesprochen hat.

In das hat so gut funktioniert, dass die Distel Ihnen dann die künstlerische Leitung angeboten hat.

Maier-Bode Ja, genau (lacht). Aber dazu gehört auch die Idee, andere Autoren mit ins Boot zu holen. Das werden sicher auch solche sein, mit denen ich schon länger zusammenarbeite. Meine Funktion wird in der Regel die sein, die Texte zusammenzuholen, mit den Autoren zu sprechen und einen dramaturgischen Rahmen zu schaffen.

Werden Sie nach Berlin ziehen?

Maier-Bode Nein. Bei dem Job handelt es nicht um eine Intendanz, bei der man ständig im Haus sein muss. Wir werden ja nicht zwölf, sondern vier Produktionen machen — ansonsten müsste ich mir schon überlegen, ständig in Berlin zu wohnen. Ich werde sicherlich teilweise in den Probenzeiten dabei sein, vor allem, wenn ich selbst die Regie führe. Aber ansonsten haben wir vereinbart, dass wir einmal im Monat einen Jour Fixe machen, an dem wir in den Teams alles besprechen, was anliegt. Vieles kann ich auch von Zuhause aus am Computer machen.

Aber haben Sie noch Luft für Ihre eigene Bühnenarbeit?

Maier-Bode Natürlich will ich weiter auf der Bühne stehen und andere Projekte machen. Deswegen war es auch eine Grundbedingung für mich, dass ich nicht nach Berlin ziehen muss. Ich habe sehr viele Verwurzelungen im Rheinland, so dass der Standort Berlin für mich auch gar nicht gut wäre.

(RP)