Neuss: Hüsch in geheimer Mission

Neuss: Hüsch in geheimer Mission

Heinz Günter Hüsch ermöglichte als Verhandlungsführer über 220 000 Rumäniendeutschen die Ausreise nach Deutschland. In Rumänien erschien jetzt ein Buch, das seine bedeutende Rolle in der "Geheimsache Kanal" belegt.

Menschen gegen Bargeld. Der praktizierte Freikauf von Rumäniendeutschen war ein wohlgehütetes Geheimnis. Das änderte sich erst vor wenigen Jahren, als der deutsche Verhandlungsführer, der Neusser Anwalt Heinz Günther Hüsch, von seiner Schweigepflicht entbunden wurde. Er nennt seither Zahlen: Zwischen 1969 und 1989 wurde mehr als 220 000 deutschstämmigen Menschen die Ausreise aus dem damals unter kommunistischer Herrschaft stehenden Rumänien in die Bundesrepublik ermöglicht — gegen Zahlung von Devisen.

Jetzt bringt ein in Rumänien erschienenes Buch weiteres Licht ins Dunkel. Auf fast 1000 Seiten wird die "Aktion Rückgewinnung" — so wurde das Projekt von den Machthabern in Rumänien genannt — mit Belegen aus rumänischen Quellen dokumentiert. Die dort dargestellten Sachverhalte sind nach Ansicht von Heinz Günther Hüsch (83) in weiten Teilen "deckungsgleich mit meinen Aufzeichnungen". Interessant seien aber "die Lücken dieser jüngsten Veröffentlichung". So werde zum Beispiel sein Treffen mit dem damaligen Staatschef Nicolae Ceausescu nicht erwähnt. Seit Erscheinen des Buchs ist Hüsch ein gefragter Gesprächspartner, vor allem für rumänische Journalisten. Die "Allgemeine Deutsche Zeitung" veröffentlichte ein umfangreiches Interview mit Hüsch.

  • Neuss : Hüsch spricht über Freikauf der Rumänien-Deutschen

Als junger, 30-jähriger Anwalt hatte Hüsch damals den Auftrag erhalten, Rumäniendeutschen die Ausreise zu ermöglichen. Der forsche Landtagsabgeordnete aus Neuss war einem Staatssekretär der Bundesregierung aufgefallen. Es wurde ein Mandat für 20 Jahre. Mit Kurt Georg Kiesinger, Willy Brandt, Helmut Schmidt und Helmut Kohl hielten vier Bundeskanzler an dem deutschen Verhandlungsführer fest. Für Hüsch ragt dieser Auftrag rückblickend unter allen Aufgaben, die er beruflich übernahm, heraus. Politisch handele es sich, so Hüsch, "um ein kleines Segment deutscher Geschichte".

Heinz Günther Hüsch begrüßt alle Veröffentlichungen, "die der Aufklärung" dienen. So spricht er meist offen über die damaligen Vorgänge, die in deutschen Archiven als "Geheimsache Kanal" firmieren. Ihm selbst wurde vom rumänischen Geheimdienst Securitate der Deckname "Eduard" verpasst. Zu beteiligten Personen und Höhe von Geldbeträgen äußert sich Hüsch aber nicht. Experten schätzen, dass über eine Milliarde D-Mark nach Rumänien geflossen sind. Geld, das Hüsch oftmals in der Aktentasche transportierte: "Oft haben meine Söhne Cornel und Heinrich oder mein Schwiegersohn Mario Meyen auf das Gepäck aufgepasst und sollten Versuche abwehren, mich zu kompromittieren."

(NGZ/rl)
Mehr von RP ONLINE