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Hotels in Neuss wegen der Corona-Pandemie unter Druck

Neusser Hotels in Sorge wegen Corona : „Die Krise trifft uns zu 100 Prozent“

Kaum Gäste, hohe Kosten, wenig Aussicht auf Besserung: Neusser Hotels zeichnen derzeit ein düsteres Bild. Vor allem die abgesagten Messen machen ihnen zu schaffen. Die staatliche Unterstützung sei ein „Tropfen auf dem heißen Stein“.

Mit der nahenden Osterzeit nimmt normalerweise auch in Neuss das Tourismus-Geschäft langsam Fahrt auf. Doch in diesem Jahr ist wegen der Corona-Krise alles anders: Die Telefone bleiben stumm und die meisten Zimmer leer. „Es ist katastrophal, die Krise trifft uns zu 100 Prozent“, sagt Ali Özdemir, Leiter des „Best Western“ an der Hammer Landstraße. Lediglich acht bis neun Gäste übernachten derzeit in dem Business-Hotel. „Alles wurde auf das Nötigste heruntergefahren“, sagt Özdemir. So sei die Rezeption statt rund um die Uhr nur noch von 6 bis 18 Uhr besetzt, der Barbereich geschlossen und das Frühstück werde nur noch à la carte bestellt, um Buffet-Gedränge zu vermeiden. Vom Staat wünscht sich der Leiter des „Best Western“ mehr Unterstützung: „Es ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, allein die Pachtkosten sind für Hoteliers immens hoch.“ Auch im Dorint-Hotel wächst die Sorge von Woche zu Woche. „Wir kämpfen“, sagt der neue Leiter Christian Schulte. Derzeit sei man nur zu einem Bruchteil ausgelastet. Bei den meisten Gästen handele es sich um Handwerker. Das Problem: Wichtige Messen wie die Drupa im Juni oder die Interpack im Mai sorgen normalerweise für zahlreiche Reservierungen und volle Zimmer. Ein Großteil des Messegeschäftes fällt in diesem Jahr allerdings komplett weg. Für Mitarbeiter und die verbliebenen Businesskunden gelte es aktuell, die wichtigen Sicherheitsstandards zu gewährleisten – zum Beispiel ausreichend Platz im Restaurant zu halten und den Kontakt untereinander auf das Nötigste zu reduzieren.

Die großen Messen sind für Jürgen Linder, Chef des Crowe Plaza Düsseldorf-Neuss, zwar ebenfalls wichtige Termine, die für eine hohe Auslastung sorgen, es falle jedoch schwerer ins Gewicht, dass auch sämtliche Groß-Kongresse abgesagt wurden. „Es findet einfach nichts statt“, sagt Linder. Derzeit sei die Auslastung in seinem Haus „unterirdisch“. Man habe bereits auf Kurzarbeit umgestellt. Es gibt aber auch noch gute Nachrichten: „Alle Mitarbeiter sind gesund“, sagt Linder.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) hat in diesen Wochen alle Hände voll zu tun, informiert über sämtliche Kanäle und dient als Ansprechpartner. „Wir stehen Tag und Nacht Gewehr bei Fuß“, sagt Dehoga-Sprecher Thorsten Hellwig. Wenig überraschend: Vor allem finanzielle Fragen stünden derzeit ganz oben auf der Liste. Aus der Dramatik der Situation macht Hellwig keinen Hehl: „Es ist die Super-Katastrophe. Wir haben Produkte, die auf Austausch und Miteinander ausgelegt sind. Beides ist derzeit nicht möglich.“ Frustrierend: Einige Hoteliers hätten berichtet, dass manche Gäste ihre Zimmer schon gar nicht mehr stornieren, sondern einfach nicht erscheinen.

Bei der Neuss Marketing GmbH, zu deren Hauptaufgaben es zählt, Menschen zusammenzubringen und so den Tourismus in der Stadt anzukurbeln,  ist derzeit vor allem Flexibilität gefragt – auch in Bezug auf die eigene Rolle. „Durchhalten und neue Ideen ausprobieren“, verdeutlicht Claudia Riepe die Devise. Eine dieser Ideen ist zum Beispiel die Tür-zu-Tür-Auslieferung von „Neusser Zeitvertreibern“, dabei handelt es sich um familiengerechte Artikel gegen Langeweile.

Flexibilität ist aber auch im Terminkalender gefordert. Rund zehn Großveranstaltungen wie „Neuss blüht auf“, die Internationalen Tanzwochen oder das Weinfest sind bereits ersatzlos gestrichen worden. Bei manchen Events wie dem „Rhein Gin Festival“ hat man bereits Nachholtermine gefunden – Veranstaltungen, von den am Ende vielleicht auch die Neusser Hotel-Landschaft wieder profitieren wird.

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