Neuss: Hotel-Alternative aus dem Netz

Neuss: Hotel-Alternative aus dem Netz

Matthias Arendt und seine Frau Steffi besitzen drei Wohnungen. Die bietet das Ehepaar über verschiedene Online-Portale zum Mieten auf Zeit an. Nutzer sind Messebesucher, Monteure oder Touristen.

Heiße kalifornische Luft stand am Anfang einer Geschäftsidee, von der Millionen profitieren: Weil im Oktober 2007 wegen einer Designer-Konferenz in San Francisco alle Hotels ausgebucht waren, bliesen Brian Chesky und Joe Gebbia drei Luftmatratzen auf und luden auf einer Website zum "Air Bed and Breakfast" — Luftmatratze und Frühstück — ein. Aus der Idee entstand die Plattform "Airbnb", die inzwischen mehrere Millionen Buchungen weltweit abgewickelt hat.

Wie das Konzept funktioniert, zeigt Matthias Arendt. Der 41-Jährige ist eigentlich per Zufall dazu gekommen, seine Wohnung zu vermieten: "Ich kaufte meine erste Wohnung im Dezember 2006. Kurz darauf zog ich mit meiner Frau Steffi zusammen, wollte die Wohnung behalten, aber keine konventionelle Vermietung machen." Ein Arbeitskollege gab den Anstoß für die zündende Idee: "Zuerst habe ich einen Gast über die Mitwohnzentrale gefunden, der blieb drei Monate. Danach zog eine Mitarbeiterin der Firma 3M ein und blieb zwei Jahre."

Die Furth ist eine Top-Lage

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Nach ihrem Auszug lief sein Modell — unter anderem wegen der Wirtschaftskrise — nicht mehr so gut. Die Kosten aber weiter. "Also entschied ich mich, meine Wohnung bei ,Airbnb' und den deutschen Portalen ,9flats' und ,Wimdu' anzubieten, für Touristen, Messerbesucher oder Monteure." Gemeinsam mit seiner Frau besitzt der Mitarbeiter der Stadt Düsseldorf mittlerweile drei Wohnungen, die er so vermietet: Eine liegt in den Hochhäusern am Rheinpark-Center, eine in Holzbüttgen und "das beste Pferd im Stall" befindet sich auf der Neusser Furth. "Da diese Wohnung eigentlich für mich selbst sein sollte, ist sie sehr hochwertig eingerichtet."

Manchmal habe das Vermieter-Paar die Wohnungen schon im katastrophalen Zustand vorgefunden, nachdem ein Gast abgereist war. "Deswegen putzen wir auch immer selbst. Dann genügt es unseren Ansprüchen und bietet immer denselben Standard." So haben sie schon interessante Menschen kennengelernt, etwa Ottwin aus den USA, der in Neuss war, um seinen Sohn zu besuchen, oder eine Familie aus Ungarn, die hier ihr behindertes Kind behandeln lassen wollte. "Auch nach einem Wohnungsbrand hat sich eine Familie bei uns eingemietet." Nachdem im vergangenen Jahr kaum jemand in den Sommerferien eine der Wohnungen mietete, sind sie in diesem Jahr gut belegt. "Hier in Neuss ist eben immer Saison", sagt Arendt, der seinen Gästen ein "Rundum-Glücklich-Paket" bietet. Vom Toilettenpapier über Bettwäsche und Handtücher bis hin zu W-Lan und einem großen Fernseher sind die Wohnungen komplett ausgestattet.

(vest)
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